Deutscher Landesmeister im Rollstuhlfechten will seinen Sport nicht aufgeben

Der neue Deutsche Landesmeister im Rollstuhlfesten lebt mit seinem Hund Bam Bam im Diakoniehaus Britz. Foto: Sylvia Baumeister (Foto: Sylvia Baumeister)
 
Beim World Integrations Sport Day in Italien. Foto: pv (Foto: Privat)

Britz. Seit zweieinhalb Jahren betreibt der 48-jährige Rollstuhlfahrer Holger Kratzat den Fechtsport. Ende Mai gewann er völlig überraschend die Deutschen Meisterschaften im Herrenflorett. Eine Teilnahme an weiteren Turnieren ist aber unsicher – weil ihm das nötige Geld fehlt.

Es war eine Riesenüberraschung, als Holger Kratzat Ende Mai bei den Deutschen Meisterschaften im Rollstuhlfechten in Greifswald auftrat. Auf Anhieb wurde der Berliner Neuling in seiner Startklasse Deutscher Meister mit dem Florett; mit dem Degen focht er sich auf den dritten Platz.

„Niemand hätte damit gerechnet, dass ich bei meinem ersten Turnier gleich so einen Erfolg habe“, erzählt er stolz. Der 48-jährige Britzer sitzt seit einem Unfall vor 30 Jahren im Rollstuhl. Den Fechtsport entdeckte er dank einer Freundin erst vor zweieinhalb Jahren für sich. Beim Olympischen Sportclub Berlin (OSC) fand er beste Voraussetzungen. Nur an einem mangelt es: am Geld. Davon hat der hochtalentierte Fechter einfach nicht genug.

Holger Kratzat war lange krank, hat keine abgeschlossene Berufsausbildung und bezieht Transferleistungen. Dazu kommen noch 200 Euro im Monat, die er für Pflegedienstleistungen braucht. Dieses schmale Budget wird für ihn immer mehr zum Problem, denn er möchte gerne mit dem Fechten auf hohem Niveau weitermachen. „Fechten ist ein teurer Sport“, weiß Holger Kratzat. Er benötigt Geld für die Fahrten mit dem Telebus zum Verein nach Schöneberg, für seine Ausrüstung und für einen speziellen Fechtrollstuhl. Bisher konnte er sich ein Exemplar vom Verein leihen. Seine Ausrüstung stundete ihm ein Sportausrüster, dem er noch knapp 600 Euro schuldet. "Jeden Monat zahle ich 50 Euro ab", sagt Kratzat.

Dass er Anfang Juli zum World Cup nach Warschau fahren konnte, hat er einer Verwandten zu verdanken, die ihm das Geld für die Reise und die Startgebühr geliehen hat. Durch die Teilnahme ist er nun im internationalen Ranking gelistet. Außerdem ist der Bundestrainer in Warschau auf ihn aufmerksam geworden. "Er hat mir angeboten, mich unter seine Fittiche zu nehmen", erzählt Kratzat. Dafür müsse er aber nach Greifswald ziehen. Das würde ihm sehr schwerfallen: "Ich bin Berliner, ich liebe diese Stadt und habe hier meine Freunde." Er würde lieber einen zweiten Berliner Verein finden, bei dem er zusätzlich trainieren könnte. Bis zum nächsten World Cup, der im Oktober in Paris stattfindet, will er sich entscheiden, wie es weitergehen soll.

An seiner prekären finanziellen Situation ändert auch der große Erfolg nichts – im Gegenteil. Dringender denn je braucht er einen eigenen Fechtrollstuhl. Und er muss auch eine weitere Waffe wählen. Er hat sich für den Säbel entscheiden. "Dafür ist aber auch eine zweite Ausrüstung notwendig, und das kostet wieder Geld."
Kratzat muss irgendeine Förderung oder einen Sponsoren finden. „Ansonsten muss ich den Sport wohl aufgeben“, sagt er. Wer den Fechtmeister unterstützen möchte, kann sich melden unter  0157 31 80 25 95 oder unter hollimood_bln@yahoo.deSB
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