Neuköllner Ruderclub Berlin freut sich über seine erste Deutsche Meisterin

Luisa Simon in ihrem gelben, 7,40 Meter langen Boot "Filou". (Foto: Schilp)
 
Luisa Simon auf dem Vereinsgelände. Im Hintergrund die Autobahnbrücke, die den Britzer Verbindungskanal überspannt. Foto: Schilp (Foto: Schilp)
Berlin: Neuköllner Ruderclub Berlin e. V. |

Britz. Luisa Simon ist etwas ganz Besonderes gelungen: Die 18-jährige Britzerin ist deutsche Meisterin im Rudern. Und das, obwohl ihr Verein, der Neuköllner Ruderclub Berlin, gerade einmal zwei Jahre alt ist.

Ende Juni holte Luisa gemeinsam mit der Kreuzbergerin Sofie Vardakas die Goldmedaille in ihrer Altersklasse (Junioren A). Für die zwei Kilometer lange Regattastrecke in München-Oberschleißheim brauchten die Mädels in ihrem Leichtgewichts-Doppelzweier exakt 7:19 Minuten. Die Zeiten beim Rudern seien aber immer relativ. „Wind, Wellen und Temperatur spielen eine große Rolle“, sagt Luisa. Beispielsweise habe Wasser bei vier Grad Celsius die höchste Dichte, dann sei das Boot am langsamsten.

Beim Leichtgewicht geht es vor dem Startschuss übrigens tatsächlich auf die Waage: Die beiden Ruderinnen dürfen zusammen nur 110 Kilo schwer sein. Maximal 57,5 Kilo darf eine von ihnen wiegen, was die andere dann aber ausgleichen muss. Ein echter Balanceakt, denn zu wenig Körpermasse bedeutet wiederum weniger Kraft. „Es ist günstig, möglichst nah ans Maximalgewicht zu kommen“, so Luisa.

Das Ab- und Zunehmen bereitet ihr wenig Probleme, denn sie ist fast ständig in Bewegung. In der Hauptsaison heißt das sechsmal Training in der Woche, jeweils rund anderthalb Stunden. Oft geht es dann auf dem Teltowkanal Richtung Köpenick. Momentan hat sie jedoch Sommerpause, die nächsten Regatten laufen erst im Herbst.

Was ist für sie das Reizvolle am Rudern? „Es gibt kaum eine Sportart, bei der man so nah am Wasser ist. Und zu spüren, wie das Boot ins Laufen kommt und gleitet, das ist ein tolles Gefühl“, sagt sie. Mit 13 Jahren entdeckte sie den Sport für sich. Ein guter Freund hatte sie mit seinen Schwärmereien neugierig gemacht. Über eine Sport-Arbeitsgemeinschaft der Fritz-Karsen-Schule, die sie immer noch besucht, kam sie zur Rudergesellschaft Wiking an der Haarlemer Straße 45e. Die ließ die Jugendlichen zwar gewähren, bestand jedoch auf ihrer Tradition, keine Mädchen und Frauen als ordentliche Mitglieder aufzunehmen.

Luisa ließ sich nicht beirren, schließlich gab und gibt es außer den „Wikingern“ keinen Ruderverein in Neukölln. „Ich habe bei den Jungs mittrainiert“, sagt sie. Weil sich aber immer mehr Mädchen und Frauen für den Sport interessierten, schlugen die Männer ihnen schließlich vor, einen eigenen Verein zu gründen und sich bei ihnen einzumieten. Seit dem Frühjahr 2015 gibt es nun den Neuköllner Ruderclub Berlin, im dem inzwischen rund 30 Frauen aktiv sind.

Mit dabei ist auch Ulrike Suchantke. Sie kam über ihren Sohn, der bei den Wikingern trainiert, zum Rudern. „Wir sind zurzeit auf der Suche nach Sponsoren, zum Beispiel brauchen wir dringend einen eigenen Bootsschuppen und auch mehr Boote“, sagt sie. Das sei nicht billig und auch über die Mitgliederbeiträge momentan nicht zu finanzieren. Sie engagiert sich gerne für ihren Verein, denn das Rudern ist ihr wichtig. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich als Erwachsene noch einmal einen Sport finde, der mir so viel Spaß macht“, sagt sie.

Für Luisa bricht übrigens bald eine neue Ära an, denn im nächsten Jahr macht sie nicht nur Abitur, sondern ist auch alt genug für die U23. Dann darf sie an Europa- und Weltmeisterschaften teilnehmen. sus

Kontakt zum Frauen-Ruderverein: info@nrc-berlin.de.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.