Die Karower Dorfschmiede war nach jahrelangem Verfall nicht mehr zu retten

Johannes Kraft und Marcel Chartron von der Bürgerstiftung Karow engagieren sich viele Jahre für den Erhalt der alten Dorfschmiede.
 
Die alte Dorfschmiede kurz vor ihrem Rückbau. (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Alte Dorfschmiede |

Karow. Die Reste der früheren Dorfschmiede in Alt-Karow 4 sind jetzt ein archäologisches Denkmal. Das Gebäude war zuletzt äußerst marode. Es stand seit Jahren leer und verfiel immer mehr. Die Bürgerstiftung Karow versuchte in den vergangenen Jahren, den Verfall aufzuhalten.

Ihre Idee war es, die Schmiede zu restaurieren und mit einem neuen Konzept öffentlich zugänglich zu machen. Dazu wurden auch Gespräche mit der Denkmalschutzbehörde des Bezirks geführt. Es zeigte sich aber, dass ein Erhalt der alten Gemäuer nicht nur schwierig, sondern auch sehr kostenintensiv gewesen wäre. Deshalb entschied sich das Bezirksamt, das Gebäude bis auf seine Kernmauern im Sockelbereich abzutragen. Im Vorfeld des Abbruchs wurde mit Unterstützung des Landesdenkmalamtes allerdings eine umfangreiche bauhistorische Erfassung vorgenommen.

Einstige Schmiede brannte ab

Das kleine Gebäude im Süden des früheren Straßendorfs Karow entstand um 1842. Es wurde zunächst als Stall- und Lagerhaus genutzt. In den Jahren 1899 und 1900 ist es zur Schmiede umgebaut worden. Die einstige Dorfschmiede aus dem 17. Jahrhundert war abgebrannt. Deshalb musste eine neue her. Irgendwann wurde jedoch auch die neue Dorfschmiede nicht mehr benötigt. 1977 pachtete ein Schlossermeister das alte Gemäuer. Weil er nur Pächter war und nicht Eigentümer, konnte er den Verfall nicht aufhalten. Sein Nachfolger, der 1985 das Areal übernahm, ließ dann das Ensemble vollends verfallen. Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Bündnis 90/Die Grünen): „Nach der Wende erkannte er das Recht der Bundesrepublik Deutschland nicht an. Er gab sich selbst als Mitglied der 4. Reichsexilregierung aus, zahlte keine angemessene Pacht und ließ das Gebäude verfallen.“ Mit rechtsstaatlichen Mitteln war viele Jahre nichts gegen den Verfall zu unternehmen, beschreibt Kirchner die Situation.

Katastrophaler Bauzustand

Erst 2013 gelang es dem Land endlich, das kleine Gebäude wieder in seine Hände zu bekommen. Bezirksamt, Liegenschaftsfonds und Landesdenkmalamt wurden sofort tätig. Sie bewerteten den Bauzustand und ließen die möglichen Instandsetzungskosten ermitteln. Die Bürgerstiftung Karow, der das heruntergekommene Bauwerk im Karower Ortskern schon lange ein Dorn im Auge war, erklärte sich zu einer Kooperation mit dem Bezirksamt bereit.

Dort hätte zum Beispiel ein kleines Dorfmuseum oder eine Schauschmiede entstehen können. Doch alle Bemühungen kamen zu spät. Der Erhalt des Gebäudes war nicht mehr möglich. Auch ein originalgetreuer Nachbau wäre vom Kostenaufwand her nicht vertretbar gewesen. Gerade weil sie ein wichtiges Zeugnis der Dorfgeschichte ist und bei allen Beteiligten ein großes Interesse an der Schmiede bestand, entschied sich das Bezirksamt, das Gebäude nicht vollständig abzureißen. Es wurde so zurückgebaut, dass man eine Vorstellung von der Größe der einstigen Schmiede erhalten kann.

Weiterhin ist eine Informationstafel zur Geschichte der Dorfschmiede und des Dorfs Karows aufgestellt worden. Schließlich ließ das Pankower Bezirksamt auf eine Seite der Grundmauern eine Sitzgelegenheit installieren. Um das archäologische Denkmal herum ist eine Rasenfläche angelegt worden. BW
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