Neues Dach überm Kopf: Wohnprojekt für psychisch Kranke eröffnet

Das neue Pinel-Wohnprojekt in Buch wurde mit einem Hoffest eingeweiht. (Foto: Bernd Wähner)
 
Pinel-Regionalleiterin Anke Heinze (4.v.l.) und Stiftungsvorstand Bernd Köppl (2.v.l.) konnten zur Eröffnung des neuen Wohnprojektes unter anderem BV-Vorsteher Michael van der Meer (links), den Bundestagsabgeordneten Klaus Mindrup (3.v.l.) und weitere Gäste aus Politik und Bezirksverwaltung begrüßen. (Foto: Bernd Wähner)

Buch. Es wurde in den vergangenen Monaten saniert und ausgebaut. Inzwischen macht das Haus in der Wiltbergstraße 38 einen schmucken Eindruck. Und die ersten zwölf Bewohnerinnen sind bereits eingezogen.

Vor wenigen Tagen eröffnete die Pinel gGmbH ihr neues Wohnprojekt in Buch. Den gemeinnützigen Träger gibt es bereits seit fast 50 Jahren. „Er ist ein Kind der 68er Generation“, sagt Bernd Köppl, Vorstandsvorsitzender der Pinel-Stiftung. „Gegründet wurde Pinel im Westteil der Stadt. Aber seit vielen Jahren haben wir auch Einrichtungen im Ostteil Berlins.“ Die Klienten gehören zu den Ärmsten in der Stadt. Es sind psychisch kranke Menschen, die in Projekten betreut werden. Zurzeit sind es immerhin 600. Für diese Menschen seien die Appartements der Pinel gGmbH nicht nur eine Wohnung, sagt Bernd Köppl. „Sie sind für sie eine Heimat und bieten ihnen Sicherheit.“

Dass es trotz ihres Engagements für einen Träger in Berlin nicht ganz einfach ist, musste auch die Pinel gGmbH erfahren. Sie hatte viele Jahre lang ein Wohnprojekt in einem Haus an der Dietzgenstraße. „Hier lebten zwölf Bewohnerinnen“, so die Pinel-Regionalleiterin Anke Heinze. 2014 wurde das Haus verkauft. Der neue Eigentümer kündigte dem Träger die Wohnungen. „Aufgrund der aktuellen Wohnungssituation in Pankow war uns klar: Es wird nicht einfach, ein neues Haus zu finden“, sagt Heinze. Doch in dem Bundestagsabgeordneten Klaus Mindrup (SPD) fand Pinel einen wichtigen Unterstützer.

Als der von der Situation des Pankower Wohnprojektes erfuhr, bot er gemeinsam mit der Mietergenossenschaft Selbstbau Hilfe an. So wurde 2015 das Gebäudeensemble in der Wiltbergstraße 38 entdeckt. Dort befand sich zuvor ein Orthopädiebetrieb.

Inzwischen sind die Bauarbeiten an den Gebäuden fast abgeschlossen. Das Vorderhaus ist komplett saniert. Auf das Hofgebäude ist ein drittes Stockwerk aufgesetzt worden. Und spätestens im Herbst sollen alle 22 Wohnungen für das betreute Appartementwohnen der Pinel gGmbH fertig sein.

„Bereits ins Vorderhaus eingezogen sind die zwölf früheren Bewohnerinnen aus der Dietzgenstraße“, freut sich Anke Heinze. „An diesem Standort konnten wir aufgrund der sich weiter verschärfenden Situation einfach nicht mehr bleiben.“ In Buch stehen den Bewohnern 14 Pinel-Mitarbeiter zur Seite. „Die psychisch kranken Menschen brauchen ein besonderes Milieu, eine besondere Art des Zusammenlebens“, sagt Heinze. „Das bieten wir ihnen in unserem neuen Wohnprojekt.“

Finanziert werden die Wohnplätze vom Bezirksamt. „Wir brauchen solche Plätze in Pankow sehr nötig“, sagt Pankows Psychiatrie-Koordinatorin Annette Berg. Immerhin habe sich die Zahl der Menschen, die im betreuten Wohnen leben, in Pankow seit Anfang des Jahrzehnts auf 1100 verdoppelt. Und weitere Wohnungen werden gebraucht. Doch angesichts der Situation auf dem Wohnungsmarkt sei es für freie Träger derzeit schwierig, neue Wohnungen für solche Projekte zu finden, weiß Annette Berg. Deshalb müsse es für diesen Bereich neue gesetzliche Regelungen geben, meint Klaus Mindrup. „Es sind Änderungen im Mietrecht nötig. Der Sektor des betreuten Wohnens muss die Chance erhalten, Wohnungen und Grundstücke zu vertretbaren Preisen zu bekommen.“ BW
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