Das Motorrad im Herbst fit machen – alles rund um Pflege und Wartung

Abbildung 1: Jedes Motorrad hat eigene Wartungsintervalle, die zu beachten sind
 
Abbildung 2: Das Hinterrad sollte für die Wartung frei beweglich sein
 
Abbildung 3: Das Profil ist Garant für einen guten Grip auf der Straße
Nicht nur im Sommer, auch im Frühling und Herbst sind ausgedehnte Motorradtouren durch die Gegend eine gute Möglichkeit, sich zu entspannen und den Kopf frei zu bekommen. Wer darauf achtet, sein Rad gut in Schuss zu halten, kann gefahrenfrei durch die kühleren Jahreszeiten kommen und trotzdem eine Menge Spaß auf der Straße haben. Die Zahlen der Verkehrsunfälle mit Todesfolge sind zwar rückläufig, trotzdem gibt es vor allem für Zweiradfahrer immer noch ein hohes Verletzungsrisiko bei unsicherem Fahrverhalten. Wer sein Motorrad zusätzlich dazu nicht sachgemäß wartet oder die Wetterbedingungen ignoriert, riskiert weitere Unfälle.

Ein Motorrad sollte in kürzeren Zeitintervallen eine Inspektion erfahren, als es bei PKWs der Fall ist. Meist ist bereits nach 1000 Kilometern erstmals eine Inspektion fällig. Während das Auto inzwischen viel Hightech und verschweißte Teile besitzt, sind bei vielen Motorrädern noch Schrauben, Muttern und ähnliche Teile verbaut, die einen hohen Verschleiß aufweisen. Eine Werkstatt kontrolliert meist:

• Motor
• Bremsen
• Getriebe
• Zündung
• Kupplung
• Räder


Einen Ölwechsel können die meisten Fahrer jedoch selbst übernehmen, manche kennen sich zusätzlich dazu mit Bremsen und Reifen aus. Trotzdem ist eine fachkundige Überprüfung in regelmäßigen Abständen sinnvoll. Viele Anbieter setzen dabei inzwischen auf Überprüfungen nach 6000 bis 12.000 Kilometern, einige empfählen jährliche Checks. Wie oft die grundlegende Inspektion der Maschine sinnvoll ist, darüber streiten Fahrer und Hersteller seit Jahrzehnten. Doch neben der Inspektion ist vor allem die eigene Wartung und Pflege, sowie das sachgemäße Fahren der Maschine überlebenswichtig für Mensch und Fahrzeug. Darüber hinaus gibt es seit 2014 neue Regelungen für Fahrschüler und für Zweirad-Verkehrsteilnehmer, die jeder Fahrer sehr gut einstudieren sollte, um keine Bußgelder oder Punkte zu erhalten.

Kette warten


Die Kette ist ein Teil mit hohem Verschleiß und großem Abrieb, je nach Hersteller und Fahrzeug. Alle 300 bis 600 Kilometer oder nach jeder zweiten Tankfüllung sollte die Kette geölt sein, um vor Korrosion und Brüchigkeit zu schützen. Dazu ist das Rad im Leerlauf mit ausgestelltem Motor auf den Hauptständer ohne Bodenkontakt aufzubocken, so dass der Fahrer anschließend das Rad mit der Hand drehen und das Kettenspray auftragen kann. Wichtig ist es das Spray auf die Innenseite der Kettenglieder zu sprühen und dabei nicht sparsam vorzugehen. Nach der Motorradwäsche und Regenfahrten sollte die Kette ebenfalls wieder Öl erhalten. Wer keine Lust darauf hat, ständig nach der Kette zu sehen oder weniger selbst zu schmieren, der kann einen Kettenöler anbringen, ein eigenes Kettenschmiersystem, das während der Fahrt permanent einölt. Dabei gibt es elektrische, manuell gesteuerte und Unterdruck-Systeme, die entweder die ganze Zeit ölen oder bei Bedarf einzuschalten sind. Die Einstellungen müssen trotzdem individuell vorgenommen sein, damit nicht zu viel Öl heruntertropft.

Neben dem Öl sollten Fahrer die Kettenspannung überprüfen. Ist sie zu groß, kann das Getriebelager zu stark belastet sein und erhält Schäden, die zum Blockieren des Hinterrads führen können. Ist die Kette zu locker, kann sie ausschlagen, überspringen oder die Kette blockieren.

Im aufgebockten Zustand sitzt die Kette am lockersten, durch das Gewicht des Fahrers und Gepäcks wird die Spannung fester. Die Kette sitzt gut, wenn sie sich zwei Finger breit auf und ab bewegen lässt. Ein weiteres Hilfsmittel ist ein Zollstock, der an der Schwinge zur Kette anzulegen ist. Mit dem Finger zieht der Fahrer die Kette jeweils nach unten und nach oben und misst dabei die Länge. Die Differenz zeigt den Kettendurchhang. Die meisten Hersteller liefern genaue Angaben in Millimeterlänge, an denen sich der Fahrer orientieren kann. Meistens handelt es sich um 20 bis 40 oder 30 bis 50 Millimeter. Andere Marken besitzen rote und grüne Verschleißmarkierungen, auf die aber nicht immer zu 100 Prozent Verlass ist.

Reifen überprüfen


Vor jeder Fahrt sollte der Motorradbesitzer das Fahrzeug überprüfen. Vor allem den Druck und die Profiltiefe sollte er nicht unterschätzen. Bei der Sichtprüfung checkt der Fahrer Beschädigungen wie Risse, Schnitte oder Beulen und horcht, ob das Rollgeräusch noch in Ordnung ist. Der Luftdruck sollte weder zu niedrig, noch zu hoch sein, wobei zu niedriger Druck immer noch zu höheren Schäden führen kann. In diesem Fall könnte sich die innere Reibung erhöhen und die folgende Überhitzung könnte ein Platzen des Reifens verursachen. Alle zwei Wochen sollte der Druck deshalb überprüft sein, er ist jedoch immer im kalten Zustand zu messen.

Die Mindestprofiltiefe laut Gesetz beträgt 1,6 Millimeter, doch Experten empfehlen mindestens zwei Millimeter im Sommer und im Winter mindestens vier Millimeter einzuhalten. Aquaplaning ist zwar eines der Hauptprobleme von Autos, doch auch Motorräder können aufgrund des Wasserflusses die Kontrolle über die Fahrbahn verlieren. Dabei gibt es wesentlich Unterschiede in Vorder- und Hinterreifen, denn die vorderen sind für die Stabilität besonders wichtig und sollten bei einer Profiltiefe von zwei bis drei Millimetern ausgewechselt sein. Deshalb ist zum Beispiel vor einer längeren Tour immer darauf zu achten, dass das Profil nicht nach der Hälfte der Fahrt bereits unter die Norm fallen könnte. Mofas, Kleinkrafträder und Leichtkrafträder besitzen eine Mindestprofiltiefe von nur einem Millimeter, wobei zwei Millimeter empfehlenswert sind. Der Fahrer misst mit dem Messstab senkrecht zum Reifen, im mittleren Laufflächenbereich.

Öl- und Bremsflüssigkeit


Jedes Fahrzeug besitzt spezielle Ölbestimmungen, an die sich der Fahrer beim Auswechseln halten sollte. Hochwertige Öle sind in jedem Fall zu empfehlen. Vor dem Ablassen des alten Öles sollte das Fahrzeug warm gefahren sein und eine Auffangwanne bereit stehen. Dazu sollte der Fahrer den Ölfilter ebenfalls abschrauben und ersetzten, da sich dort alte Ölreste festsetzen können. Dabei sollte er die Säuberung der Haltevorrichtung nicht vergessen. Das alte Öl kann er bei den meisten Händlern zur Entsorgung abgeben. Jedes Motorrad besitzt dabei einen eigenen Plan für die Abstände des Ölwechsels, jedoch besteht meist eine Auswechslung mindestens einmal im Jahr.

Die Bremsflüssigkeit ist neben den Bremsbelegen immer im Auge zu behalten und sollte alle zwei Jahre ausgetauscht sein. Oft ist sie an den Farben zu erkennen:

• hellgelb/hellblau/hellrot: frisch
• grau bis schwarz: verbraucht

Das liegt daran, dass die Flüssigkeit mehr Wasser aus der Luft entnommen hat und der Siedepunkt deshalb niedriger liegt. Ein Bremsversagen entsteht, wenn sich wegen der Hitze Blasen bilden, die eine Weiterleitung des Drucks an die Kolben verhindern. Der Fahrer sollte außerdem die Bremshydraulik über die Ventile entlüften.

Besonderheiten bei Offroad Maschinen


In der Nähe von Bremen liegt der Hoope Park, ein Offroad Park für Motorräder und Autos. Die Geländestrecke ist bei Enduro-Fans oder Motocross-Freunden sehr beliebt und gibt vielen Hobbyfahrern die Gelegenheit, die eigene Maschine unter kontrollierten Bedingungen auszufahren. Wer viel und gerne im Gelände fährt, sollte sein Fahrzeug noch öfter kontrollieren, denn besonders bei hohen Geschwindigkeiten, Schmutz und Feuchtigkeit, ist eine regelmäßige Pflege überlebenswichtig.

Unter Offroadern sind vor allem die Husaberg Fahrzeuge beliebt, die als reine Offroader konzipiert sind und mit den leistungsstarken Viertaktmotoren vielen Fahrern zu Siegen in internationalen Wettkämpfen verhalfen. Unter Volllast und Höchstleistung sollte alle 10 bis 15 Stunden ein Ölwechsel stattfinden und vor allem die Ventile kontrolliert sein. Selbst wer nicht in einem Offroad Park fährt, kann bei Höchstgeschwindigkeiten die Maschine schnell an ihre Grenzen bringen und sollte sie deshalb noch häufiger kontrollieren. Die Federbasis ist ebenfalls regelmäßig zu überprüfen, wenn sie durch hohe Belastung eine Verlagerung erfahren hat.


Abschließend sollten Fahrer die Einstellung der Scheinwerfer und Bremsbeläge immer im Blick haben, um auf der sicheren Seite zu sein. Vor allem sollten Fahrer auf die Witterungsbedingungen achten.


Bildquellen:

Abbildung 1: Wikimedia.commons.org © Muc10 (CC BY-SA 3.0)
Abbildung 2: Wikimedia.commons.org © S zillayali (CC BY-SA 3.0)
Abbildung 3: Wikimedia.commons.org © Clawed (CC BY-SA 3.0)
Abbildung 4: Wikimedia.commons.org © RealMerlin (CC BY-SA 2.0 DE)
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