An die Falsche geraten: Rosi Corsten schnappt einen Taschendieb und wird für ihre Zivilcourage geehrt

Unerschrocken: Rosi Corsten mit Urkunde, Blumenstrauß und Schokolade. (Foto: Schilp)

Buckow. „Ich würde das jederzeit wieder machen“, sagt Rosi Corsten. Die Buckowerin ist kürzlich für ihre Zivilcourage ausgezeichnet worden. Sie hat einen Dieb gestellt, der einer 78-jährigen Frau im Bus das Portemonnaie aus der Handtasche gestohlen hatte.

Es war am 15. Juni. Rosi Corsten ging gerade zu einem Arzt-Termin. Plötzlich sah sie einen Mann an der Haltestelle Alt-Buckow aus dem Bus springen und über die Straße laufen, ihm folgte eine ältere Frau. „Die Autos haben gehupt, es war wie im Film“, erzählt sie.

Erst habe sie gedacht, dass beide zusammengehörten. Doch dann rannte der Mann an ihr vorbei in eine Sackgasse, wo er nicht weiterkam. Dort ließ er einen Gegenstand fallen, und als die Seniorin rief: „Warum klauen Sie mein Portemonnaie?“, reagierte Rosi Corsten instinktiv. Sie griff den Oberarm des Langfingers, drückte ihn gegen einen Zaun und hielt ihn fest, bis die Polizei eintraf.

Das alles erzählte sie kürzlich Frank Wuthe, dem stellvertretenden Leiter der Polizeidirektion 5, bei Kaffee und Kuchen. Er hatte die 55-Jährige zu der Ehrung eingeladen. Als er die Einzelheiten hörte, war er angesichts ihrer absoluten Furchtlosigkeit doch recht verblüfft. Er wundere sich, dass der Räuber diese Behandlung über sich habe ergehen lassen. „Ich habe ihn so beschimpft, der hatte richtig Angst. Zu Recht, bei Gegenwehr hätte ich auch kräftig zugetreten“, stellt Rosi Corsten klar.

Sie wolle keinen Dank: „Bei mir legt sich bei so einer Sache einfach ein Schalter um, ich denke dann nicht mehr nach. Ich will diesen Leuten zeigen, dass sie nicht machen können, was sie wollen.“ Schließlich sei es eine Riesensauerei, einer Rentnerin eine Geldbörse mit 150 Euro zu stehlen.

Mit dem Verhalten anderer Passanten ist sie allerdings nicht zufrieden. Niemand habe ihr geholfen, selbst Männer nicht. Mehrmals musste sie diese dazu auffordern, die Polizei zu rufen. „Ich selbst hatte ja keine Hand frei.“ Als der Dieb festgenommen war, begleitete Rosi Corsten die Bestohlene noch bis vor die Haustür.

Dass die Buckowerin selbstbewusst und zupackend ist, spiegelt sich auch in ihrem Hobby und Beruf wider. Sie fährt leidenschaftlich gerne Motorrad und arbeitet seit fast drei Jahrzehnten bei der Berliner Stadtreinigung. Dort lenkt sie seit Kurzem sogar die ganz großen Brummer, zum Beispiel Räumungsfahrzeuge. Ganz nebenbei ist sie stolze und treusorgende Oma von zwei kleinen Enkeln.

Der Dieb, ein 44-jähriger Wiederholungstäter, sitzt übrigens hinter Schloss und Riegel. „Er ist genau an die Falsche geraten“, sagt Wuthe. Trotzdem mahnte er generell zur Vorsicht: Der Dieb hätte auch bewaffnet sein können. Oft sei es besser, die 110 zu wählen und laut um Hilfe zu rufen, um sich nicht selbst zu gefährden.

Nichtsdestotrotz war er beeindruckt von Rosi Corstens Handeln und überreichte ihr eine Dankesurkunde für ihr „couragiertes und schnelles Handeln“, einen Blumenstrauß und eine große Packung Schokolade. sus
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