Stadtrat befürchtet Chaos im Klinikum

Buckow. Die beiden Notaufnahmen des Klinikums Neukölln an der Rudower Straße 48 – jene für Kinder und jene für Erwachsene – sind seit Jahren völlig überlastet. Gesundheitsstadtrat Falko Lieke (CDU) befürchtet das totale Chaos, wenn eine Forderung der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin erfüllt werden sollte.

Die Notaufnahme für Erwachsene wurde für 25 000 Patienten im Jahr gebaut. Doch mehr als dreimal so viele Menschen kommen; 2015 waren es knapp 77 000. Das Krankenhaus ist der erste Anlaufpunkt für fast 600 000 Menschen im Süd-Osten der Hauptstadt. Die Notaufnahme wird berlinweit am häufigsten aufgesucht. Auch die Kinderrettungsstelle ist regelmäßig überlaufen.

Das Problem: Viele der Hilfesuchenden sind gar keine echten Notfälle. Doch gerade am Wochenende, wenn fast alle Arztpraxen geschlossen bleiben müssen, wissen sich viele Kranke oder Verletzte nicht anders zu helfen, als sich ans Klinikum zu wenden.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) fordert nun: Die Mediziner in den Notaufnahmen sollen künftig ausführlich schriftlich begründen, warum sie einen bestimmten Patienten behandeln. So soll verhindert werden, dass auch Menschen versorgt werden, bei denen kein akuter Notfall vorliegt.

Dazu sagt Liecke: „ Das Ziel, nur wirkliche Notfälle zu behandeln, ist zwar richtig, aber die Lösung dazu ist nicht mehr Bürokratie.“ Jede Minute werde für die Versorgung der Menschen gebraucht. Eine Dokumentation, wie sie die KV wolle, sei unter den schwierigen Umständen nicht möglich. „Das ginge klar zu Lasten der Patientinnen und Patienten“, so der Stadtrat. Er hat schon 2010 Alarm geschlagen und sich der Forderung von Professor Rainer Rossi, Leiter der Kinderklinik, angeschlossen: Am Wochenende sollen niedergelassene Ärzte im Klinikum arbeiten und die weniger schlimmen Fälle versorgen. Die Mediziner der Rettungsstelle könnten sich dann um die echten Notfallpatienten kümmern.

In vier Berliner Krankenhäusern wird dieses Modell bereits praktiziert, in allen Fällen handelt es sich jedoch über reine Kinder-Erste-Hilfe-Stellen. Sie sind im Sana-Klinikum Lichtenberg, im DRK-Klinikum Westend, im Tempelhofer St.-Joseph-Krankenhaus und im DRK-Klinikum Wedding (Adressen und Öffnungszeiten gibt es unter dem Link http://asurl.de/12wh). Und es soll sich etwas tun. „Geplant ist eine Erweiterung der Versorgung mit sogenannten Portalpraxen an und in Krankenhäusern“, sagt KV-Sprecherin Ronja Witt. Die endgültige Struktur stehe aber noch nicht fest, Kooperationsverhandlungen mit mehreren Kliniken seien im Gange. Das Ziel: Die bestehenden Rettungsstellen sollten ausgebaut und zwei bis vier neue geschaffen werden. sus
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