Harsche Kritik an Redknee: Politiker wettern gegen Pläne zur Standortschließung

Berlin: Redknee |

Siemensstadt. Massive Kritik erntet das Software-Unternehmen Redknee seit Bekanntwerden seiner Pläne, den Standort in Siemensstadt zu schließen. Der SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz hält das Vorhaben sogar für rechtswidrig.

260 Arbeitsplätze würden in der Siemensstadt wegfallen – wenn die kanadische Firma Redknee, Anbieter von Software für die Informations- und Telekommunikations-Industrie, den Entwicklungsstandort schließt. Den hatte das Unternehmen erst 2013 von Nokia Siemens Networks übernommen und ein Jahr später eine sogenannte Standortsicherungsvereinbarung unterzeichnet, die Personalabbau bis September 2017 ausschließen sollte.

Die Kanadier haben nun aber angekündigt, sich von der Siemensstadt verabschieden und stattdessen zwei neue Firmen in Potsdam und Berlin gründen zu wollen, bei denen sich einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Stellen bewerben könnten. „Die Pläne von Redknee sind aus meiner Sicht nichts anderes als ein Versuch, aus der Tarifbindung zu fliehen und die betriebliche Mitbestimmung auszuhebeln“, wettert die Spandauer SPD-Abgeordnete und Arbeitsmarktexpertin Burgunde Grosse. „Ich unterstütze deshalb voll und ganz den Widerstand der Belegschaft gegen die Schließungspläne und habe meine Kritik in einem Schreiben an die Geschäftsführung zum Ausdruck gebracht.“ Auch der Siemensstädter SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz zeigt sich empört: „Die Schließung wäre ein schwerer Schlag für den traditionsreichen High-Tech-Standort Siemensstadt. Das Vorgehen ist für uns nicht nachvollziehbar – und wahrscheinlich wegen des Bruchs der gültigen Standortsicherung sogar rechtswidrig. Im Gegenzug haben die Beschäftigten schließlich auf zehn Prozent ihres Lohns verzichtet. Wir haben Mitarbeitern, Betriebsrat und Gewerkschaft unsere volle Unterstützung im Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze in Spandau zugesichert.“

Auch seitens der CDU gibt es Kritik am Vorhaben. „Redknee muss der Siemensstadt als Arbeitgeber erhalten bleiben“, sagt der Bundestagsabgeordnete Kai Wegner. „Es ergibt keinen Sinn, den Betrieb in Spandau aufzugeben und dafür zwei neue Standorte zu eröffnen. Vielmehr gilt es, das als alternativlos dargestellte Konzept des Managements zu hinterfragen und nachhaltige Zukunftsstrategien zu entwickeln.“ Eine Lanze für den aufstrebenden Technologiestandort bricht auch der Siemensstädter CDU-Abgeordnete Matthias Brauner. „Zahlreiche Unternehmen sind im Thelen-Technologiepark ansässig und ermöglichen innovative Vernetzungen. Ich appelliere nachdrücklich an Redknee, die Chancen zu nutzen und am Standort zu verbleiben.“

Für Unruhe in seiner Belegschaft sorgt Redknee in der Siemensstadt nicht zum ersten Mal. Bereits 2014 hatte die Firma vor, 100 von damals 330 Stellen abzubauen, nach zähen Verhandlungen mit Betriebsrat und Gewerkschaft waren es am Ende 70. Nun stehen auch die verbliebenen 260 Jobs auf dem Spiel. bm
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