Siemensbahn: Studenten zeigen, wie man die brachliegende Trasse belebt

Natur frisst Technik: Das alte Viadukt der Siemensbahn hätte das Zeug zum Gartenkunstwerk. (Foto: Akshay Hattiholi, Neda Mahmoodi, Maryam Esmaeilzadeh)
Berlin: Siemensbahn |

Charlottenburg-Nord. Ein Dschungel auf Ständern? Spazieren zwischen Baumwipfeln? Szenetreff vor der Wiederkehr des Bahnverkehrs? Alles möglich, wenn man Plänen von Studenten der Hochschule Anhalt Glauben schenkt. Die Siemensbahn inspiriert Kreative – wie so viele Brachen Berlins.

Moos auf Stahl. Gestrüpp zwischen Schienen. Eine Szenerie wie nach der Apokalypse. Die Siemensbahn hat seit Stilllegung im Jahre 1980 ein Stadium des Verfalls erreicht, dass Anwohner der nahe gelegenen Ringsiedlung bei ihrem Anblick schaudern. Andere wiederum fühlen sich von der früheren Bahnstrecke nach Spandau so fasziniert, dass sie monatelang ihre Fantasie und Schaffenskraft auf einen Plan zur Wiederbelebung verwenden.

Platz für Tier und Natur

Der Siemensbahn eine Zukunft geben war Gegenstand einer Semesterarbeit von Studenten der Hochschule Anhalt in Bernburg. Das Ergebnis präsentierten sie öffentlich im Rathaus Charlottenburg. Und zeigten eine Professionalität, als habe ein Investor ihnen Millionensummen für die Verwirklichung versprochen.

Da gab es die Idee einer temporären Nutzung als Freizeitort mit der Option, die Siemensbahn in 15 Jahren wieder befahrbar zu machen. Da skizzierten die Studenten der Landschaftsarchitektur einen „Weg der Natur“ – die Trasse als eine Art Transitstrecke für die wilden Pflanzen und Tiere Berlins. „Diese Stadt ist schließlich für ihren Wildlife-Charakter bekannt“, schwärmte Gruppensprecher Akshay Hattiholi. Und wieder andere Architekturtalente zeigen Bilder eines aufgeständerten Parks mit Aussichtsturm, Veranstaltungspavillon und Fernblick von einer Spreebrücke auf die Gipfel der Stadt. Selbst Bierbikes möchte eine Projektgruppe auf dem Viadukt ins Rollen bringen. Gewöhnliche Fahrräder ohnehin.

So verschieden die Denkansätze der Studenten unter Leitung von Professorin Nicole Uhrig auch waren, gab es doch eine gemeinsame Einschätzung der Lage: Dies ist eine über vier Kilometer lange Scharte, die zur Pulsader werden könnte. Ein Band zwischen Jungfernheide, Siemensstadt und dem Schlosspark Charlottenburg. Ein „Missing Link“. Bislang gilt: Die Siemensbahn modert, weckt Begehrlichkeiten, inspiriert. Gerade das Verkommene gebiert Entwicklungschancen, bringt Kreative auf Ideen – typisch Berlin.

Es kann funktionieren

Dass aus Gedankenspielen und Simulationen mit Glück und gutem Willen ein realer Zukunftsort werden kann, dafür gibt es in Charlottenburg neuerdings ein Beispiel. Auch die Kantgarage schien dem Zusammenbruch näher zu sein als der Neunutzung. Auch hier arbeiteten sich Studenten ab an der Frage: Was wäre, wenn man Geld und Geist in die Ertüchtigung investiert? Nun hat der neue Inhaber Dirk Gädeke angekündigt, die Kantgarage bis 2018 zu einer Art Kreativlabor mit Galerie und Martkhalle umzuformen. Das hätten sich Studenten nicht träumen lassen. tsc
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