Tauschring am Halemweg gegründet / So läuft das Geben und Nehmen

Wirtschaften unter Nachbarn: Gerd liefert die Grundlage für Ostereier. Marianne (l.) und Rosemarie verpassen ihnen für ein paar "Charnos" das passende Dekor. (Foto: Schubert)

Charlottenburg-Nord. Der eine bietet, was ein anderer braucht: Angebot und Nachfrage in einem System ohne den Euro, das kann funktionieren, beweist ein neuer Tauschring im Stadtteilzentrum. Wer bietet hier was?

Eine Gesellschaft ganz ohne Geld? Nein, das funktioniert selbst hier noch nicht. Hier, im neuesten Tauschring Berlins, ansässig am Halemweg 18. "Charno" heißt die Währung, mit der Gründer Peter Krug und seine 13 Gefährten Rechnungen zu begleichen pflegen. "Charno" - wie Charlottenburg Nord. Man führt Buch darüber, wer welche Dienstleistung erbringt und was ihm dafür zusteht.

In Krugs Kreis tun sich Mitglieder gegenseitig kleine und große Gefallen, revanchieren sich entweder direkt beim Gönner oder bei einem anderen Mitglied. Die gute Tat im Dienste des Nachbarn geht reihum. So entsteht ein Ring, der jede Ungleichheit auffängt.

"Wir versuchen hier eine neue Wirtschaftsordnung", erklärt Krug. "Und das Prinzip heißt: Tausche Arbeit gegen Arbeit." In einer Liste tragen Teilnehmer ein, welche Tätigkeiten sie ausüben können. Andere blicken bei Bedarf hinein und rufen jemanden an, der laut Plan Abhilfe schafft.

Barbara und Ingrid spielen zum Beispiel gerne den Babysitter, Silvia verkostet dafür ihren vegetarischen Brotaufstrich oder repariert Fahrräder. Und Marianne erweist sich als Multitalent. Sie kocht, strickt, fertigt Schmuck. Sie räumt anderen Leuten sogar den Keller auf.

"Ja, ich mache das total gerne", bekennt sich Marianne zu einer Dienstleistung, mit der sie den Markt wohl als Monopolistin beherrscht. Dafür könne zum Beispiel Peter demnächst mal sein Auto anschmeißen und sie zum Einkaufen fahren. Und weil Ostern vor der Tür steht, florieren derzeit Angebote rund ums Ei. Wer bläst welche aus, wer malt welche an? Und was wird es kosten? Alles nur eine Frage der Verhandlung. 20 "Charno" pro Stunde, das ist der übliche Satz.

Wer partout nichts kann, aber gerne anderer Leute Kuchen nascht? Der verrichtet eben für den Tauschring Bürotätigkeiten und bekommt so "Geld" gutgeschrieben. Vorsichtige Zeitgenossen können übrigens beruhigt sein: Alle Nutzer des Tauschrings sind registriert, so dass man keinen Wildfremden in die Wohnung lässt, der den versprochenen Glühbirnenwechsel nur als Vorwand nimmt für einen Raub.

So richtig in Fahrt kommt die kleine Revolution des Wirtschaftssystems aber erst dann, wenn genügend da sind, die geben und nehmen.

Wer die bunte Truppe bereichern möchte, erscheint am besten zur Tauschbörse mit Flohmarkt am Sonntag, 22. März, von 14 bis 18 Uhr, und stellt sich im Stadtteilzentrum am Halemweg 18 vor.

Thomas Schubert / tsc
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