Adieu, Aschinger-Haus: Hines startet Abriss des Häuserblocks an der Joachimsthaler Straße

Ende eines dunklen Kapitels: Der Gebäudekomplex machte zuletzt nur durch Erotikgewerbe von sich reden. Kaum einer bedauert den Abbruch. (Foto: Schubert)
Berlin: Aschinger-Haus |

Charlottenburg. Es war ein Ort des Zwielichts - aber auch Bezugsquelle für Blumen und erotische Geschenke. Nun hat das so genannte Aschinger-Haus endgültig ausgedient, weicht einem Neubau, der vor allem Einzelhandel aufnimmt. Aber auf keinen Fall anrüchige Mieter.

Schrill kreischend fressen sich Flexsägen in den Stahl. Triumphschreie zum Tod des letzten großen Ärgernisses im Stadtbild des westlichen Zentrums. Und Christoph Reschke, Geschäftsführer des Entwicklers Hines, steht als Gewinner da, zeigt die leergeräumte Gebäudehülle des Aschinger-Hauses wie eine Trophäe. Sein Unternehmen wird hier bis zum Jahre 2017 ein Filetgrundstücke im Schatten des Hotels Waldorf Astoria neu bebauen, investiert dafür 130 Millionen Euro und führt bereits Verhandlungen mit möglichen Mietern. Wer hier wohl einzieht?

"Wir führen viele Gespräche, aber noch sind keine Verträge unterschieden. Wahrscheinlich gibt es zehn bis zwölf Mieter im Einzelhandel und drei bis fünf Mietern für Büros", äußert sich Reschke. Insgesamt stünden nach Fertigstellung 14 500 Quadratmeter vermietbare Fläche bereit, davon 9200 für Einzelhandel, der Rest Büros. Und Kunden, die mit dem Auto kommen, finden eine unterirdische Stellfläche mit 40 Plätzen vor.

Mit dem Versprechen der Aufwertung ist ein für allemal klargestellt, dass der bisherige Sündenpfuhl nur noch in Geschichtsbüchern fortbesteht. Wer wird in zehn Jahren glauben, dass hier, in bester Lage der City West, Pornofilme liefen, aufreizende Wäsche in Vitrinen prangte und die Fenster eines leerstehendes Hostels über den Hardenbergplatz gähnten? Dass man unterwegs zum Ku’damm an der 60er-Jahre-Bausünde nachts noch Blumen und einen Imbiss für 2,50 Euro bekam?

Bis zuletzt versuchte Hines mit dem Bezirk für "Blumen Range", den bekannten Floristikbetrieb hinter der Zeltplane, ein Lösung zu finden - ohne Erfolg. Das Pfandleihhaus wechselte auf die andere Straßenseite. Und das Beate-Uhse-Museum sucht immer noch nach einer neuen Bleibe. Aber Burger King darf sich Hoffnungen machen, im Neubau wieder Platz zu finden. "Sie haben ein hohes Interesse zurückzukehren. Wir führen Gespräche, aber fest verankert ist noch nichts", sagt Reschke zum Sachstand. "Die Seite zum Bahnhof ist für gastronomische Nutzung natürlich ideal."

Nur Betreiber, die mit Angeboten aus dem horizontalen Gewerbe Geld verdient, werden von Verhandlungen ausgeschlossen, und sei ihr Angebot noch so verlockend. "Tut mir leid", sagt Reschke dem Kundenstamm des alten Aschinger-Hauses. "Damit werden wir nicht dienen können."


Thomas Schubert / tsc
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