Architekt Langhoff und AG City präsentieren 209-Meter-Turm

Gigantische Pläne vor dem Eingang zum Zoo: Die AG City betrachtet den Hardenbergplatz als geeigneten Standort für das höchste Gebäude Berlins. (Foto: Simulation: Langhoff)

Charlottenburg. Stadtplanerischer Gipfelsturm: Der Entwurf des "Hardenberg" am Bahnhof Zoo stellt alles in den Schatten, was Hochhausvisionen in Berlin bis dato hergaben und stempelt das Waldorf Astoria zur halben Portion. Bezirk und Senat blieben bei der Präsentation außen vor.

Läge der Fernsehturm am Bahnhof Zoo, dann könnten die Bewohner der höchstgelegenen Wohnung im "Hardenberg" den Gästen im Drehrestaurant winken. Dieser Vergleich verdeutlicht vielleicht am anschaulichsten, in welche Größenordnung sich der Architekt Christoph Langhoff mit seinem neuesten Entwurf vorzudringen traute.

Im Namen der AG City präsentierte er nun seine Vision für einen Wolkenkratzer am nördlichen Ende des Hardenbergplatzes mit einer gemischten Nutzung als Hotel- und Bürogebäude und Wohnhochhaus. Simulationsbilder zeigen eine verschachtelte, sich nach oben zuspitzende Glasskulptur mit begrünten Podesten und würfelartigem Abschluss. Dazu deutet das Datenblatt an, dass hier an Superlativen nicht gespart würde. Das "Hardenberg" wäre mit 209 Metern fast doppelt so hoch wie das Hotel Waldorf Astoria und das entstehende Upper West (jeweils 118 Meter), die höchsten Fixpunkte der westlichen City. Am oberen Ende des aus 52 Stockwerken bestehenden Turms verspricht eine Skybar neue Ausblicke auf Zoo, Tiergarten und das aufstrebende Zentrum. Und zwar schon ab 2016 - wenn man denn sofort mit dem Bau beginnen könnte. Einen Investor dafür zu finden, das betrachtet die AG City als leichte Übung. Man bekäme zugleich die geforderte große Tiefgarage und könne Steuergeld sparen, wenn ein privater Geldgeber Hand anlegen dürfe, sagte Vorstandsmitglied Dirk Germandi.

Aber ob ein Wolkenkratzer namens "Hardenberg" zum gleichnamigen Platz überhaupt passt? Christoph Langhoff hat daran keinen Zweifel: "Durch die zentrale Anordnung am Ende des Platzes bildet er keinen Abschluss dessen, sondern fungiert viel mehr als Torhaus, das den Eingang zum Zoo und zum Tiergarten weithin sichtbar markiert.", versucht er eine Einordnung in das Umfeld, findet hier bei Stadtentwicklungsstadtrat Marc Schulte (SPD) aber keine Zustimmung. Wie die anderen politischen Entscheidungsträger hatte er erst nach der Presseöffentlichkeit vom neuesten Vorstoß der AG City erfahren und zeigte sich über den Alleingang verärgert. "Der Entwurf schließt das Tor zum Tiergarten", kritisiert Schulte den Plan und kann ihm auch sonst nichts Produktives abgewinnen: "Ich bezweifle, dass diese Geste der Dominanz Sinn macht."

Was der Hardenbergplatz aus seiner Sicht braucht, ist eine Betonung seiner beiden Funktionen als Drehscheibe des Verkehrs und als Entree zur City. In diesem Sinne will er am 17. November die offiziellen Entwürfe zur Umgestaltung des Platzes präsentieren. Eine neue Bebauung gehört nicht dazu - weder im ganz großen Stil noch im kleinen.


Thomas Schubert / tsc
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