Experte analysiert: Wo Milieuschutz sinnvoll wäre

Bloß keine Verdrängung: In sechs Quartieren könnten Mieten den Bewohnern über den Kopf wachsen. (Foto: Thomas Schubert)

Charlottenburg-Wilmersdorf. Rote Linie gegen Luxussanierung: Nach einer neuen Untersuchung kommen im Bezirk sechs Milieuschutzgebiete in Betracht. Doch der City West-Immobilienstand ist anders geartet als jener in Prenzlauer Berg.

Wo Wohnungen in reizvoller Lage Aufhübschung erfahren, sind Mietsteigerung und Verdrängung nicht weit. Und weil die City West als Lieblingsziel für wirtschaftlich erfolgreiche Zuzügler gilt, wappnet sich die Politik gegen Modernisierungsmaßnahmen, die das vernünftige Maß sprengen könnten.
So genannten Milieuschutzgebiete zu benennen, um Anwohner mit knappen Einkommen vor Luxussanierung zu schützen – das heißt auch Stadtentwicklungsstadtrat Marc Schulte (SPD) gut.

Aber er betont, dass es sich nur um ein „relativ schwaches Mittel“ in einem Paket von Maßnahmen handeln kann. Der Blick nach Pankow zeige, dass das Verbot von zweiten Bädern und der Zusammenlegung von kleineren Wohnungen nur begrenzte Wirkung hat.

Die typische City West-Unterkünfte sind ohnehin größer und wertvoller ausstaffiert. Auch muss man sich laut Schulte auf einen hohen Personalbedarf einstellen, weil Mitarbeiter des Bezirks Unterlagen von Wohnungseigentümern genau zu prüfen haben.

Schon deshalb gab es bei der Untersuchung des Experten Bernd Maier eine gründliche Vorauswahl. Dass Villengegenden in Westend oder Grunewald gar nicht erst geprüft wurden, braucht keine weitere Erklärung. Auf der Suche nach „konzentrierter Altbausubstanz in sozial problematischen Bereichen“ beleuchtete Maier die Situation der Bewohnerschaft und den Aufwertungsdruck.

Und zur Diskussion stehen nun sechs Quartiere, die es genauer zu betrachten gilt: Tegeler Weg, Spreestadt, Richard-Wagner-Straße, Karl-August-Platz, Brabanter Platz – und auf den ersten Blick etwas überraschend: die Kaiserin-Augusta-Allee in Westend. Hier sieht Maier „klassisches Investitionspotenzial“ in Form von zum Teil unsanierten Altbaublöcken in attraktiver Lage.

Nach dieser Benennung möglicher Schutzgebiete wird die BVV sich beraten. Egal wie es kommt – Maier sagt bereits jetzt: „Der beste Kontrolleur wird der Mieter selbst sein.“ Er müsse erkennen, welche Sanierungsmaßnahme nötig ist – und welche Luxus. tsc
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Hans Trebusch aus Charlottenburg | 08.07.2015 | 17:13  
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