Gewobag lässt Gärten auf Hausdächern beseitigen

Dachsanierung mit Folgen: So idyllisch wie zuvor wird es auf den Sawade-Häusern nicht mehr zugehen. Der Zugang zu den Terrassen wurde untersagt. (Foto: Schubert)

Charlottenburg. Aufs Dach zu steigen, das war für Bewohner der Sawade-Häuser an der Lewishamstraße bislang gleichbedeutend mit einem Ausflug ins Grüne. Doch jetzt müssen die privaten Gärten verschwinden, und selbst das Betreten wurde untersagt. Was ist geschehen?

Sie haben Nachbarschaftsfeste gefeiert, Geburtstage, sogar eine Hochzeitfeier fand hier oben über den Dachfirsten eine passende Kulisse. Aber plötzlich sind für die Bewohner von vier 70er-Jahre-Häusern südlich des Bahnhofs Charlottenburg die himmlischen Zeiten vorbei. Sonnenblumen, Buchsbäume, Oleander, eine Tanne - alles sollte die Bewohnerschaft entfernen. Und was noch übrig blieb, verfrachten in diesen Tagen Arbeiter in der Müll.

Die Dachgärten, so hat es die Wohnungsgesellschaft Gewobag als Eigentümerin per Aushang verfügt, müssen fort. Und der Zugang werde "wegen Vandalismus und Vermüllung nicht mehr gestattet sein", hieß es in dem Schreiben, das Catrin Schoneville mit Verwunderung zur Kenntnis nahm. Über zehn Jahre lebt sie als zufriedene Mieterin im Haus an der Ecke Mommsenstraße. Ihres Wissens hat die Gestaltung und Nutzung der Dachgärten vorher bereits jahrzehntelang problemlos funktioniert. Fakt ist aber, dass am Dach Instandsetzungsarbeiten nötig waren. Die geschahen dann im Einvernehmen mit den Bewohnern. Aber dass es gleichzeitig zur Schließung ihres kleinen Paradieses kommen würde, das ruft Unverständnis hervor.

"Die Benutzung der Dächer steht nicht im Mietvertrag", räumt Schoneville ein. Gleichwohl galten die Gärten bei der Wohnungsbesichtigung als angepriesener Pluspunkt, auch ohne ausdrückliche Nennung in den offiziellen Papieren. Vor allen Dingen sind die von Pflanzen gesäumten Freiflächen ein Bestandteil im Konzept des Architekten Jürgen Sawade, der an der Lewishamstraße von 1977 bis 1981 seine Vorstellung von sozialem Wohnungsbau in die Tat umsetzte. Die klimatisch günstigen Effekte von begrünten Dächern sind seitdem vielfach belegt, nennt Schoneville ein weiteres Argument. Nicht umsonst haben Gründächer auch in Planungen des Berliner Senats einen unbestrittenen Platz. Gute Gründe zum Erhalt der kleinen Oasen, meinen die Bewohner. Auch der Grünen-Bezirksverordnete Ansgar Gusy teilt diese Ansicht und bat zwischenzeitlich Stadtrat Marc Schulte (SPD) um Vermittlung. Warum also wird Grün zu Grau?

Gewobag-Sprecher Volker Hartig verweist zunächst auf den Sanierungsbedarf der teilweise durchfeuchteten Dächer. "Diese Maßnahme dient dem Substanzerhalt und soll insbesondere auch weitere Schäden von unseren Mietern abwenden", erklärt er auf Anfrage der Berliner Woche. Gleichzeitig kommt es in Zuge der Energieeinsparverordnung zur Verlegung einer neuen Wärmedämmung, die nicht mehr mit bestehenden Türen, Treppen und Anschlüssen in Einklang zu bringen ist. "Eine Begehbarkeit der Terrasse würde noch einen zusätzlichen Aufbau erfordern, so dass eine weitere Nutzung nur mit einem völlig unverhältnismäßigen technischen und finanziellen Aufwand zu realisieren wäre", sagt Hartig. Die Gewobag sieht insofern keine Möglichkeit, das Nutzungskonzept Sawades fortzuführen, steht aber Begrünungsprojekten ansonsten aufgeschlossen gegenüber. "Wir engagieren uns an vielen Stellen für ein grünes Berlin", betont der Sprecher, "jedoch müssen dabei die Rahmenbedingungen passen."


Thomas Schubert / tsc
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