Kleine Lösung statt Wolkenkratzer wird bevorzugt

Klare Strukturen für Menschen und motorisierten Verkehr: Dem Entwurf aus dem Hause Topotek1 bescheinigt der Bezirk die besten Chancen. (Foto: Simulation: Topotek1)

Charlottenburg. Spektakulär war er, der Wolkenkratzerentwurf der AG City. Das Gegenteil davon bedeuten jene drei Entwürfe für die Zukunft des Hardenbergplatzes, die der Bezirk jetzt zur Debatte stellt. Alle versprechen mehr Grün, mehr Aufenthaltsfläche - und weniger Platz für alles, was brummt.

Schnell umsteigen soll man können. Sicher über die Straßen kommen. Und sich willkommen fühlen in der City West. Mehrere leicht widersprüchliche Aufgaben zu vereinen, das ist die Paradeleistung des Hardenbergplatzes immer schon gewesen. Sie ab 2016 weiterhin zu erfüllen, mit mehr Aufenthaltsqualität und weniger Fläche für den motorisierten Verkehr, das nennt Verfahrenskoordinator Erhard Pfotenhauer eine "Quadratur des Kreises".

Wie die aussehen könnte, zeigen nun drei Entwürfe. Nummer eins stammt vom Atelier Loidl und sieht eine Dreiteilung des Areals vor: vorne ein echter Platz, den eine aufgeleuchtete Uhr bestimmt, dahinter eine Bucht für den Verkehr und vor dem Zoo ein Ruheort mit Bäumen. Das Manko laut Baustadtrat Marc Schulte (SPD): Die Wege zwischen den Nahverkehrsmitteln sind zu lang.

Als besonders "spannend" empfindet er Plan Nummer zwei: Eine einzige große Betonpiste, auf der sich der Verkehr ohne markierte Bereiche von selbst regeln muss. Mit der Deutschen Bahn, die eine klare Wegeführung für ihre Fahrgäste einfordert, wäre diese "Teppich"-Vision des Büros Lützow 7 nicht zu machen.

Am pragmatischsten (und dem aktuellen Zustand am ähnlichsten) wirkt Lösung Nummer drei. Die Pläne aus dem Hause Topotek1 sehen eine saubere Trennung zwischen Fahrspuren und Aufenthaltsfläche vor. Am Bahnhof Zoo drei durchgehende Rinnen für Busse. Vor dem Hutmacher-Haus mehr Raum zum Verweilen. Und zum Zoo- und Tiergarteneingang hin zunehmende Begrünung. "Das ist der Entwurf, der am besten weiterzuentwickeln ist", meint Schulte.

Und hört zunächst kritische Stimmen. Vor allem Zoo-Direktor Andreas Knieriem fühlt sich beim bisherigen Verfahren übergangen. Immerhin wolle der Zoologische Garten 2015 seinen Eingangsbereich grundlegend erneuern und die langen Warteschlangen verkürzen. "Auf uns ist aber noch niemand so zugekommen, wie ich mir das wünsche", klagt Knieriem. Was ihm am Herzen liegt, sind klar ausgearbeitete Sichtachsen auf den Zoo.

Zur Vorstellung der drei Varianten gar nicht erst erschienen waren die AG City und die IHK. Seitdem der Bezirk ihren Wunsch zum Prüfen einer Bebauung abgeschmettert hat, bleiben diese einflussreichen Interessensvertretungen dem Prozess demonstrativ fern. Dabei ist es doch das Anliegen des Bezirks, dass Anrainer nun zu den drei Entwürfen Stellung nehmen und eigene Vorstellungen einbringen, damit man das Vorhaben 2015 auf den Weg bringen kann.

Spontane Neugier weckte die Präsentation dafür bei eher Zoo-fernen Akteuren. Wolfgang Severin von der Initiative Bundesplatz aus Wilmersdorf wies darauf hin, dass die Weichenstellung am Zoo für das gesamte Verkehrsgefüge Folgen haben kann. "Man wird sich wie in anderen Metropolen klar entscheiden müssen, welche Verkehrsmittel Vorrang haben", meint Severin. "Etwas anderes kann sich die Stadt nicht leisten."


Thomas Schubert / tsc
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