Orange für satteres Grün: BSR übernimmt ab April die Pflege des Bewuchses

Höchstes Pflegelevel: Der Ernst-Reuter-Platz soll als gärtnerisches Glanzstück Maßstäbe setzen. (Foto: Schubert)

Charlottenburg-Wilmersdorf. Den Müll beseitigte sie schon immer. Doch mit dem Start eines Pilotprojekts im Bezirk will die BSR nun auch gärtnern. Dabei sind die erklärten Ansprüche nicht gerade klein: Selbst dort, wo kein Gras mehr wächst, soll es wieder sprießen.

Die City West und ihr Wiesen, das ist derzeit eine Geschichte voller Lücken. Aber zumindest, was das so genannte Straßenbegleitgrün anbelangt, brechen rosige Zeiten an. Für die geschundenen Flächen hinterm Bordstein zeichnet ab April für ein Jahr lang nicht mehr das Grünflächenamt verantwortlich, sondern die BSR. Und bei der Vorstellung des neuen Pilotprojekts mit dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ließ Winfried Becker als Leiter der Straßenreinigung keinen Zweifel, dass sein Team neue Maßstäbe setzen will.

"Wir sind zwar nicht der Auffassung, dass wir die besseren Gärtner sind", räumte er ein. "Aber wir wollen sehen, ob sich mit mehreren Aufgaben in einer Hand bessere Ergebnisse erzielen lassen." Die Fragestellung lautet: Was wäre in Berlin machbar mit mehr Budget?

Und der Plan lautet wie folgt: Gestaffelt in drei Güteklassen gehen die Mannschaften in Orange ans Werk, entwickeln Qualitätsstandards, bestimmen einen Sollzustand - und passen die Wirklichkeit diesen Idealen an. Als Beispiel für Level 1 nennt Becker den Ernst-Reuter-Platz. Akkurat geschnittene Hecke, penibel gestutzter Rasen: "Level 1 ist das Höchste der Gefühle", nennt Becker die Vorgabe für Magistralen wie die Heer-, Prager und Wilmersdorfer Straße.

"Gute und fachgerechte Pflege" erwartet den Nutzer in Servicelevel 2, wo sich zum Beispiel die Kantstraße wiederfindet. Selbst hier möchte man kahle Stellen im Rasen schließen - was in Level 3 nicht sicher ist. Hier, etwa an der Grainauer Straße, treibt die BSR einen Minimalaufwand, arbeitet "ordentlich, aber nicht mehr so hochwertig".

Mit diesem Plan einverstanden zeigt sich Stadtentwicklungsstadtrat Marc Schulte (SPD). Er kann knapp 100.000 Euro einsparen und anderen Vorhaben zuführen. Zugleich bekomme man modellhaft vorgeführt, was eine gute Pflege wert ist und was sie kostet.

Skeptisch zeigt sich vor allem die CDU-Fraktion, wo Stadtentwicklungsexperte Stefan Häntsch ein teures Ende befürchtet. "Es steckt eine knallharte Rechnung dahinter", gibt er zu bedenken. "Letztendlich zahlt es jeder Bürger, wenn die BSR-Gebühren steigen." Und sobald sich zeige, dass die BSR effektiver wirtschaftet als das Grünflächenamt, stünde der Bezirk womöglich als Verlierer da. Und erhielte für solche Aufgaben wohl weniger Geld.


Thomas Schubert / tsc
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