Seniorenresidenz hofft auf Erlaubnis zum Bau einer Schankveranda

Ein Entree soll wohnlich werden: Vor der Seniorenresidenz Park Alterssitz City soll an warmen Tagen mehr Leben herrschen als ein Buddybär simulieren kann. (Foto: Thomas Schubert)

Wilmersdorf. Noch ist der Vorgarten für Bewohner der Seniorenresidenz Meinekestraße ein unerschlossenes Idyll. Deshalb möchte ihn das Heim barrierefrei, ebenerdig und gastlich gestalten, braucht aber die Erlaubnis des Bezirks. Und der befürchtet einen heiklen Nebeneffekt.

Kann denn Garten Sünde sein? Muss man den Wunsch, ein lauschiges Biotop für Alte und Gebrechliche zu schaffen, wirklich bürokratisch prüfen? Man muss. Denn was die Seniorenresidenz Park Alterssitz City mit ihrer Außenanlage vorhat, könnte bei Nachbarn als Trend verstanden werden. Nicht in Sachen Pflege, sondern als Geschäftsidee für Gastronomen, die es in der Meinekestraße und Umgebung ähnlich handhaben wollen wie die Heimbetreiber. Getränke ausschenken im Garten – das ist für Senioren eine völlig unbedenkliche Annehmlichkeit. Für Café- und Barbetreiber als kommerzielle Nachahmer wäre es ein lukratives Geschäft. Und für Nachbarn vielleicht ein lärmiges Übel.

Furcht vor Präzedenzfall

Das also ist der Grund, weshalb sich die Seniorenresidenz und der Bezirk seit 2011 nur langsam aufeinander zubewegen bei der Genehmigung des Gartenumbaus. Aus Furcht vor einem Präzedenzfall tat sich jahrelang nichts. Im Stadtentwicklungsausschuss unternahm nun Geschäftsführer Dietrich Lange einen neuen Versuch. Und warb für ein aus seiner Sicht völlig harmloses Projekt: „Wir wollen unseren Vorgarten anheben, damit er sich an andere Gärten, die auf Höhe der Straße liegen, anschließt“, bat er um die Beseitigung eines baulichen Übels. Derzeit bestehe durch die Geländesprünge Sturzgefahr.

Durch den Umbau werde das Niveau der Gärten endlich angeglichen – „und wir glauben, dass wir damit Gutes tun“, bat Lange um Zustimmung. Auch eine Mitbenutzung der neue Freifläche zum Beispiel durch die Bürgerinitiative Fasanenplatz sei kein Problem. „Alle außer Extremisten sind uns willkommene Gäste“, heißt das Versprechen. „Es geht uns um Menschenwürde“, bat auch Einrichtungsleiterin Ines Voigt um Verständnis für die Belange der Alten.

Besonderheit Berliner Vorgärten

Dass die 1969 eröffnete Residenz überhaupt die Zustimmung des Bezirksamt braucht, liegt am Charakter der sogenannten Berliner Vorgärten. Sie sehen zwar wie ein Teil des Baugrundstücks aus, sind aber öffentliches Straßenland, doch werden wiederum vom Grundstückseigentümer gepflegt.

Ohne Erlaubnis, keine Gartenterrasse. Mit Erlaubnis womöglich eine Partymeile – das ist die Crux. „Es gab bisher keine grundsätzliche Ablehnung“, fasst Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) die Prüfungen der vergangenen Jahre vor seiner Amtszeit zusammen. Eine Bewilligung gab es freilich ebensowenig. Nun will Schruoffeneger das Problem in einer persönlichen Bauberatung lösen. Ob die Heimbetreiber mit dem Segen des Bezirks nach Hause gehen können, entscheidet dann ihr konkreter Entwurf. tsc
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