Städtischer Wohnungsbau: Stadtrat Schruoffeneger nimmt Land in die Pflicht

Das Rufen nach bezahlbarem Wohnraum ist schon lange laut, zeitgleich schreitet die Gentrifizierung scheinbar ungebremst fort. Oliver Schruoffeneger schlägt jetzt offiziell Alarm: „Die städtischen Wohnungsbaugesellschaften müssen deutlich mehr leisten.“

Der Grünen-Stadtrat und Leiter der Abteilung Stadtentwicklung stützt sich dabei auf die neueste Statistik der Neubauvorhaben eben jener städtischen Wohnungsbaugesellschaften. „Zurzeit befinden sich demnach mehr als 36 400 Wohneinheiten in der Planung, davon sind ganze 198 Wohneinheiten, also rund 0,6 Prozent, im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf angesiedelt. Dies ist ein Armutszeugnis für die städtische Wohnungspolitik.“ Wenn die aktuelle Durchmischung von finanziell besser gestellten und weniger betuchten Bewohnern der Kieze aufgegeben werden soll, könne es so bleiben, wie es ist. Davon gehe er aber nicht aus. Schließlich werde immer wieder kritisiert, dass in der City West fast nur teure Eigentumswohnungen privater Investoren entstehen. „Dann muss aber dafür gesorgt werden, dass die städtischen Gesellschaften sich aktiv in den Bezirk begeben, Grundstücke erwerben und dann hier auch bauen“, so Schruoffeneger.

Angesichts der gegenwärtigen Grundstückspreise ist es für ihn kein Wunder, wenn die „Städtischen“ einen weiten Bogen um den Bezirk machen. „Aus deren Sicht absolut verständlich“, sagt der Grünen-Stadtrat. Deshalb nimmt er das Land Berlin in die Pflicht: „Es muss die finanziellen Mittel für den Grundstückserwerb bereitstellen – auch zu aktuellen Marktkonditionen.“ Sonst könne es nicht gelingen, die Preisspirale zu stoppen und auch wieder zu einem normalen Mietwohnungsbau in erheblichem Umfang im Bezirk zu kommen. Wie notwendig dies aber wäre, würden die letzten Fertigstellungsstatistiken deutlich machen. „2014 wurden in Charlottenburg-Wilmersdorf von 584 fertig gestellten Wohnungen nur 84 als Mietwohnungen errichtet. 2015 waren es nur vier von 382 und 2016 nur 300 von 918 Wohnungen. In diesen drei Jahren wurden also nur rund 20 Prozent der Neubauwohnungen als Mietwohnungen gebaut.“ Im Bezirk aktiver zu sein, also immer dann Grundstücke erwerben zu können, wenn sie gerade zum Verkauf stünden, dazu müssten die städtischen Wohnungsbaugesellschaften in der Lage sein. „Dafür muss der Senat Sorge tragen. Wir brauchen die Trendwende.“
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.