Green in Berlin: 7 Nachhaltige Projekte und Ideen

Berlin, wie grün du bist! Eine Menge nachhaltiger Projekte helfen, die schöne Stadt noch grüner, umweltfreundlicher und bunter zu gestalten.
 
Gartenarbeit schafft Begegnung, Austausch, Wissen und Freude. In Berlin gibt es in urbanen Gärten die Möglichkeit, mit zu gärtnern und selbstgezogenes Gemüse mitzunehmen. Die Interkulturellen Gärten verknüpfen das Gärtnern automatisch mit Erinnerungen aus der Heimat der Einwanderer und laden zum kulturellen Austausch ein.
 
Grüne Banken finanzieren das, was wegen der sozialen Komponente oft wenig Profit bringt. In Berlin gibt es ebenfalls ethische Banken, die sich hauptsächlich an sozial und ökologisch Engagierte richten.
 
Der Gartenkulturpfad Neukölln zeigt die grüne Seite von Neukölln und eröffnet neue Plätze für all jene, die das Grüne in der Stadt suchen. Einer der Pfade führt an Schloss Britz vorbei – alle zeigen sie auf, wie sehr Parks und Gärten die Lebensqualität des Menschen steigern.

Berlin. Die Hauptstadt geht vorweg. Bei 3,5 Millionen Einwohner gibt es nämlich viel zu tun – aber auch viele gute Ideen. In Zeiten, in denen Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit ganz oben auf der Agenda stehen, wird Berlin zu grünen Stadt. Mit kreativen Köpfen entstehen hier jährliche viele neue nachhaltige Projekte, die die Stadt zu einem besseren, saubereren und grünerem Ort machen. Sieben dieser Projekte hier im Überblick.

Der Prinzessinnengarten


Inzwischen weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt, ist der Prinzessinnengarten zu einer echten Attraktion geworden. Ein Nutzgarten mitten in der Stadt, mobil und gemeinschaftlich bewirtschaftet, auf einer Fläche, die Jahre lang brach lag. Seit 2009 betreibt die gemeinnützige GmbH Nomadisch Grün den Prinzessinnengarten am Moritzplatz in Kreuzberg. Spinat, Kräuter, Kartoffeln, Tomaten, Bohnen, Salat…über 500 verschiedene Sorten und Arten werden angebaut, die Vielfalt wird gelebt.

Mitgärtnern kann jeder, das Angebot wird gerne genutzt – 2000 bis 2500 Hilfsgärtner kommen über das Jahr vorbei, selbst beschäftigt werden nur fünf Gärtner, deren Hauptaufgabe darin besteht, die Hilfsgärtner anzuleiten. Wer hilft, kann das Gemüse günstiger erwerben, das zuvor angepflanzt, gepflegt und schließlich geerntet wurde. Die Finanzierung funktioniert über den Gemüseverkauf, die im Garten ansässige Gastronomie, die nur das verarbeitet, was im Garten geerntet wurde. Darüber hinaus gehen die Gärtner auch raus und legen für andere Interessierte Stadtgärten an, beraten und informieren über die Möglichkeiten des Urban Gardenings. Schulklassen werden unterrichtet, Workshops für Interessierte werden angeboten und auch sonst geht es um den Austausch, die Vielfalt, die Nutzbarmachung von brachliegenden Flächen. Ein Paradies an einem sonst wohl kaum bemerkten Ort – so beschreiben es die Nachbarn und Besucher, die ihren Garten mitten in der Stadt schätzen und lieben.

Gärten der Begegnung und interkulturelle Gärten


Der Prinzessinnengarten ist ein Ort der Begegnung. Das gleiche Prinzip machen sie die interkulturellen Gärten zu Nutze. In mehr als 20 Gärten in Berlin gärtnern Migranten und Migrantinnen mit ihren Nachbarn. Verschiedene soziale Milieus und Menschen verschiedener Herkunft treffen hier aufeinander, tauschen sich über die Pflanzen aus, teilen Rezepte, Essen und ihr Wissen. Leben an der freien Luft bereichert das Leben ungemein – das ist ein großer Teil des guten Lebens in den Interkulturellen Gärten.

Der automatische Verzicht auf chemische Produkte beim Gärtnern und die Nähe zur Natur im urbanen Lebensraum macht die Natur begreifbar und sensibilisiert auch für andere, wichtige umweltpolitische Themen. Bildung, Integration und der interkulturelle Austausch funktioniert hier von alleine – ein Gewinn für alle Seiten, auch für die Kleinen. Denn in den Schulen werden die Willkommensklassen der Flüchtlingskinder ebenfalls zum Gärtnern eingeladen, zusammen mit den anderen Kindern, die die gleiche Schule besuchen. Beim Pflegen der Pflanzen lernen die Neuankömmlinge die Alltagssprache ganz von allein, die Gärten der Begegnung helfen beim Ankommen und nebenbei werden die vielen vernachlässigten Schulgärten wieder auf Vordermann gebracht. Diese beiden Modelle sind gelebte Integration, die die Stadt grün und essbar macht.

Berlin summt


Die grüne, blühende Stadt kommt noch weiteren Bewohnern zu Gute: den Bienen. Diese sind durch die Kultivierung der Stadtimkerei wieder zurückgekehrt, werden auf Rathäusern, öffentlichen und privaten Gebäuden gehalten. Sie bestäuben die vielen Nutzgärten, nutzen die Blumen und produzieren daraus leckersten Honig. Die Initiative „Berlin summt!“ macht auf die Bedürfnisse der Honigbiene aufmerksam und vermittelt die Wertschätzung der städtischen Natur.

Auch im Prinzessinnengarten gibt es Bienen, die wesensgemäß gehalten werden. Auch hier geht es den Imkern darum, die Bedürfnisse der Biene begreifbar zu machen. Honig gibt es aber trotzdem, denn die kleinen Helfer unterstützen die Gärtner bei ihrer Arbeit, machen mit ihrer Bestäubungsleistung den Unterschied zwischen Blüte und Frucht aus. Deswegen lädt der Prinzessinnengarten am 03.09.2016 zum Stadthonigfestein, wo die Unterschiede zwischen ländlichem und städtischem Honig erlebbar gemacht werden und dem Verbraucher Merkmale naturbelassenen Honigs näher gebracht werden.

Green Building


Aber auch abseits des offensichtlich Grünen wird Nachhaltigkeit in Berlin gelebt. Ein Pilotprojekt in der Supermarktbranche zeigt die Möglichkeit, auch Märkte nachhaltig zu gestalten. Das Green Building in Berlin-Rudow macht mit der Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen deutlich, dass auch Gewerbe grün betrieben werden kann. Das Gebäude selbst ist mit Holz und Glas hell und lichtdurchflutet und produziert mit einer großflächigen Photovoltaikanlage auf dem Dach knapp 40 Prozent des im Markt genutzten Stroms. Mit Geothermie werden weitere acht Prozent der benötigten Energie erwirtschaftet.

Das Licht ist an die Umgebung angepasst – kommt viel Tageslicht herein, sind die Leuchten gedämmt oder gar abgeschaltet, erst wenn sie wirklich benötigt werden erhellen sie den Supermarkt. Durch stärkere Dämmung kann außerdem ein geringerer Energieverbrauch erreicht werden, so dass der Supermarkt nachgewiesenermaßen CO2-Neutral ist. Nach dem vielfach ausgezeichneten Projekt, was nun nachweislich funktioniert, sollen jetzt deutschlandweit weitere Märkte entstehen.

Grüne Banken


Auch die Wirtschaft kann nachhaltiger gestaltet werden, was die entstehenden Grünen Banken vorantreiben. Ethische Banken beschäftigen sich vor allem mit sinnstiftenden Projekten, wie die Finanzierung von ökologischer Landwirtschaft, erneuerbaren Energien, Sozialer Belange und Bildung. Atomkraft, Rüstung und umweltschädliche Projekte werden hingegen nicht finanziert. Diese Herangehensweise hilft vor allem dem sozialen Engagement, was wegen des geringen Profits sonst nur wenig Beachtung im Kapitalismus findet. Die Unterstützung dieser Art den Bankings ist höchst sinnvoll und macht wiederum die Finanzierung von anderen, guten Projekten möglich, die dann wiederum die Stadt bereichern und zu einem besseren Ort machen.

Effizienzhaus Plus Fasanenstraße


Aktuell im Umbau befindet sich das Pilotprojekt des Bauforschungsbereichs des Bundesbauministeriums. Das Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität war das erste Energieeffizienzhaus, das konkret darauf ausgelegt ist, mehr Energie zu erzeugen als es verbraucht. Ende 2011 wurde das Haus eröffnet, das sich energetisch selbst versorgt und sogar so viel produziert, dass es noch die beiden zur Familie gehörenden Elektroautos mit versorgt werden können. Nötig dazu sind Photovoltaikanlagen auf dem Dach und den Wänden, eine Wärmepumpe und Hochleistungsbatterien, die die produzierte Energie zwischenspeichert. Der Überschuss, der dabei produziert wird, wird in das öffentliche Versorgungsnetz eingespeist. Die Gebäudehülle und die verbaute Technik sind überdies so optimiert, dass Wärmeverluste gering gehalten werden.

Zwei Familien, die das Objekt zur Probe bewohnten, haben außerdem dessen Nutzbarkeit und Tauglichkeit bestätigt. Während es noch als Wohnobjekt genutzt wurde und somit in der „Testphase“ war, konnte das Objekt noch besucht werden. Seit Juni wird es umgebaut. Bald soll es als Kompetenzzentrum des Bauforschungsbereichs des Bundesbauministeriums wieder eröffnet werden und aufzeigen, welche energetischen Verbesserungen selbst bei kleinen Einfamilienhäusern möglich sind. Inzwischen wurden weitere Modellhäuser errichtet, die im bewohnten Zustand getestet werden.

Gartenkulturpfad Neukölln


Ein weiteres Berliner Nachhaltigkeits-Projekt lenkt den Blick zurück ins Grüne. Auf das, was schon da ist und welche Vielfalt in den bewohnten Bezirken zu finden ist. Der Gartenkulturpfad Neukölln lenkt mit fünf Spaziergängen durch die Stadt an Gärten und Parks vorbei und zeigt dabei, wie Gärten, Menschen und die Natur im Einklang miteinander leben. Die Lebensqualität steigert sich erheblich durch die Parks und das Grüne – darauf soll der Gartenkulturpfad aufmerksam machen. Die fünf Routen durch die Stadt lassen sich dank Flyern und Karten auf eigene Faust erkunden, weisen überdies auf kulturelle Stätten am Wegesrand hin. Auch dies ist ein Aspekt der Nachhaltigkeit – Wertschätzung zu vermitteln, die Liebe zu den Parks und Grünflächen erlebbar zu machen und somit die Sinne wachzurufen. Denn das, was dem Menschen so viel Freude schenkt – die Natur, unsere Umwelt – ist schützenswert und darf auch in urbanen Gebieten nicht verloren gehen.

Jedes Projekt schätzt auf seine Art die Natur – es schont die Ressourcen, nutzt was die Natur ihm gibt, verknüpft Menschen miteinander und sorgt für Austausch. Diese Projekte regen zu neuen Ideen an und machen die Stadt Berlin ein Stück schöner, grüner, nachhaltiger – und noch wertvoller.



Bildquellen:

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