Gunther von Hagens Schau braucht Sondergenehmigung

Berlin. Für die einen sind die "Körperwelten" eine wissenschaftliche Ausstellung, für die anderen eine pietätlose Zurschaustellung Toter.

Eigentlich sollten sie einen festen Platz unter dem Fernsehturm bekommen, doch nun gibt es rechtliche Probleme. Nur eine Ausnahmegenehmigung könnte die Eröffnung noch sichern.

Die erste "Körperwelten" wurden 1995 in Japan gezeigt. Seitdem reist Gunther von Hagens um die Welt und präsentiert plastinierte Menschenkörper in alltäglichen Körperhaltungen - mal mit und mal ohne Haut, mal im Ganzen oder in Teilen. Die Macher geben als oberstes Ziel gesundheitliche Aufklärung an und wollen nach eigenen Angaben medizinischen Laien helfen, den Körper und seine Funktionen besser zu verstehen. Bis heute haben über 38 Millionen Besucher "Körperwelten" gesehen. Aus Sonderausstellungen sind feste Einrichtungen geworden. In Berlin steht genau das in Zweifel. Ab Herbst sollen die "Körperwelten" direkt unter Fernsehturm einziehen, das Bauamt hat eine Genehmigung erteilt. Doch nun werden die kritischen Stimmen lauter und nach der Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien haben auch einige Bezirkspolitiker Bedenken. Sie bemängeln, dass es sich bei der Ausstellung um eine öffentlichkeitswirksame Leichenschau handele und nicht um Wissenschaft. Unter den Kritikern ist auch der Bürgermeister von Mitte, Christian Hanke (SPD). Er sieht sogar rechtliche Probleme, denn Gunther von Hagens bräuchte eine Sondergenehmigung des Gesundheitsamts und die ist bislang nicht erteilt. "Nach dem Berliner Bestattungsgesetz sind Leichen unter die Erde zu bringen", sagt Christina Stolzenberg, Sprecherin des Bezirksamts. Wenn Gunther von Hagens tote Körper zeigen wolle, müsse für jeden einzelnen beurteilt werden, ob das wissenschaftlichen Zwecken dient. Die Prüfung dauert derzeit noch an.


Jana Tashina Wörrle / jtw
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