Institut für Kirchenmusik zu alter Schönheit zurück

Alles wieder beim Alten: Architekt Christian Blanco Gomez ließ das Innere des Instituts nach dem Gutachten eins Restaurators ausgestalten. (Foto: Schubert)

Charlottenburg. Zierde wie zu Anbeginn: Mit schmalstem Budget und Arbeiten in Eigenregie gelang es der Universität der Künste, das Innere eines historischen Nebengebäudes vom Nachkriegszustand zur früheren Pracht zu bringen. Dabei ist nicht alles Gold, was glänzt.

Ob es beim Orgelspiel wesentlich ist, welche Farbe die Decke hatte? Für den Architekten Christian Blanco Gomez jedenfalls sind solche Details der Schlüssel zum Erfahren des Kleinods, als das er das Institut für Kirchenmusik betrachtet. Dass im Inneren nun alles seine gestalterische Richtigkeit hat, war ein 18 Monate langer Akt.

Doch schon vor der Sanierung galt das Institut für Kirchenmusik in der Hardenbergstraße 41 als Schmuckstück im Bestand der Universität der Künste. Mit seinem burgähnlichen Charme stemmt sich der Bau gegen die Glattheit der benachbarten Nachkriegsbauten rund um den Ernst-Reuter-Platz, beherbergt 30 Studenten in einem der ältesten Musikinstitute Berlins.

Bevor Blanco Gomez die Arbeiten beginnen lassen konnte, erstellte zunächst ein Restaurator das Gutachten, getrieben von der Frage: Wie war das Haus 1903? Also wurde gekratzt, an Türen, Wänden und Decken, geschabt durch die verfälschenden Anstriche vergangener Jahrzehnte - bis auf den historischen Grund. "Wir konnten spüren, dass hinter den Schichten Strukturen von Wandmalerei zu finden sein mussten", erzählt Gomez. Manchmal genügten Waschungen und Nachbearbeitung mittels Pinsel. Schwerer erwies sich die Lage bei den barocken Leuchtern. Sie musste man eigens anfertigen lassen - einschließlich der eigentümlich geformten Birnen.

Nun präsentierte der Architekt zusammen mit Institutsleiter Professor Wolfgang Dinglinger das Ergebnis, zeigte liebevoll nachgezeichnete Deckenornamente, originalgetreue Klinken und Wände, verziert in einer gar nicht altertümlichen Wischtechnik: blaue Sprenkel auf grünem Grund, an Wolken erinnernd. Unerwartet viel Mühe bereiteten die mit Linoleum überkleisterten Steinstufen und rötlichen Fliesen. Der Kleber war kristallisiert und ließ sich kaum noch schrubben.

Und dann ist da noch die goldene Pforte, sozusagen die Pforte zum Himmel. In Wirklichkeit wartet dahinter etwas Profaneres: die Aula. Auch besteht die Tür nicht wirklich aus Gold, sondern ist tatsächlich nur mit einem dünnen Metallblatt verblendet.

Was mit nur 150 000 Euro aus den Kassen der UdK gelang, erfüllt Blanco Gomez mit Stolz, zumal vieles in Eigenleistung geschah. Es zeigt aber auch, dass die Erneuerung der Aula mit solch beschränkten Mitteln kaum zu leisten wäre. Was es kosten würde, ihre detailstrotzende Stuckdecke in Stand zu setzen, will der Fachmann lieber nicht schätzen.


Thomas Schubert / tsc
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