"Charlottenburger Cocktail ist in Gefahr"

Die Linken-Politikerin Katrin Lompscher vor ihrem neuen Stadtteilbüro in der Behaimstraße 17. (Foto: Schilp)

Charlottenburg. Die Berliner Abgeordnete Katrin Lompscher (Die Linke.) hat am 25. August ihr Stadtteilbüro in der Behaimstraße 17 eröffnet. Es soll eine Anlaufstelle in Sachen Berliner Stadtentwicklung und Wohnungspolitik sein. Einmal im Monat wird es eine Abendveranstaltung zum Thema geben.

Ebenfalls geplant sind regelmäßige Kieztage, an denen sich die Abgeordnete mit Initiativen und anderen Akteuren im Quartier trifft. Vor der Eröffnungsparty traf Berliner-Woche-Reporterin Susanne Schilp die Politikerin (Motto: "Mir ist jede Stadt recht - Hauptsache es ist Berlin") zum Gespräch.


Frau Lompscher, warum haben Sie Ihr Büro ausgerechnet in Charlottenburg eröffnet?


Katrin Lompscher: Die Linke ist eine Partei für die ganze Stadt, aber wir sind im Westteil nicht genug präsent. Deshalb haben wir Büros in Charlottenburg und Reinickendorf eingerichtet. Und weil ich stadtentwicklungspolitische Sprecherin bin, mit vielen Themen und Projekten in der City-Ost, passt die City-West perfekt zu mir.


Wie gefällt Ihnen der Kiez?


Katrin Lompscher: Ich bin ganz angetan von der Vielfalt, der Kleinteiligkeit, dem alteingessenen Gewerbe. Und dann das zivilgesellschaftliche Engagement: das Kiezbündnis Klausenerplatz, das sofort auf mich zugekommen ist, der Ziegenhof, das Bezirksmuseum mit seinem Café, all die vielen kleinen Dinge. Man muss alles tun, um das zu bewahren.


Sehen Sie denn diese Struktur bedroht?


Katrin Lompscher: Ja. Der Kiez steht vor vielen Veränderungen. Ganz wichtig ist, dass die Mieten bezahlbar bleiben. Deshalb bin ich zum Beispiel in Kontakt mit der berlineigenen Gewobag, der größten Vermieterin im Kiez, und auch mit der Degewo. Ich will regelmäßig Diskussionen mit Anwohnern und Vertretern der Wohnungsunternehmen in meinem Büro organisieren, um darüber zu sprechen, was gut läuft und was nicht. Luxuswohnungen zu bauen, bringt gar nichts, die Bestandsmieten müssen preiswert bleiben.


Ein Problem sind doch aber auch die Mieterhöhungen bei neuen Vertragsabschlüssen.


Katrin Lompscher: Ja sicher. Der Senat hat 2012 mit sechs landeseigenen Wohnungsgesellschaften ein Mietenbündnis geschlossen. Darin ist festgeschrieben, dass die Mieten langsamer als auf dem freien Markt steigen sollen. Allerdings wird darin bedauerlicherweise nichts zu neuen Verträgen gesagt. Dabei könnte Berlin hier wegweisend sein.


Werfen wir einen Blick auf das Zentrum, auf die City-West. Welche Projekte liegen ihnen dort am Herzen?


Katrin Lompscher: Das Grundstück, auf dem das Aussichtsrad errichtet werden sollte. Der Finanzsenator lehnt einen Rückkauf ab. Das finde ich falsch. Die Stadt sollte aktiv werden und hier einen Wissenschaftsstandort mit Instituten der TU und der UdK schaffen. Das würde auch noch mehr junge Leute in den Bezirk bringen. Wenn sich nur teure Filialisten und Hotels in der City ansiedeln, dann ist der Charlottenburger Cocktail in Gefahr.


Ein ständiger Zankapfel ist das ICC. Ihre Meinung dazu?


Katrin Lompscher: Genauso wie ich für den Erhalt des Palasts der Republik war, bin ich auch für den Erhalt des ICC. Beides sind Kinder desselben Zeitgeistes. Das ICC sollte nicht privatisiert werden, sondern ein Messe- und Kulturstandort bleiben. Und mit ein bisschen mehr Gehirnschmalz lässt sich auch für die Räume ohne Tageslicht eine Nutzung finden, zum Beispiel als Tonstudios.

Die nächste Sprechstunde mit Katrin Lompscher findet am Donnerstag, 23. Oktober, um 16 Uhr statt. Das Büro hat dienstags von 11 bis 16 Uhr und donnerstags von 13 bis 16 Uhr geöffnet, Terminanfragen bitte vorher an stadtbuero@katrin-lompscher.de, 20 65 47 27.


Susanne Schilp / susch
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