Fast 1000 Flüchtlinge nach Westend: Auflösung von Turnhallen-Heimen braucht neue Unterkünfte

Kritische, aber sachliche Fragen: Eine Expertenrunde um Sozialstadtrat Carsten Engelmann stellte sich den Sorgen der Nachbarn. (Foto: Thomas Schubert)
 
Neue Gemeinschaftsunterkunft: In den früheren Sitz des Bauunternehmens Holzmann ziehen Mitte August 454 Flüchtlinge. (Foto: Thomas Schubert)

Charlottenburg-Wilmersdorf. Damit Flüchtlingsheime in Sporthallen an der Forckenbeck- und in der Prinzregentenstraße schließen können, eröffnet das Land Berlin ein festes Heim mit 454 Plätzen in der Heerstaße 16-18 – und baut ein Containerdorf mit 500 Betten im Olympiapark.

Wer zieht in unsere Nachbarschaft? Wie gewährleistet der Staat die Sicherheit? Wo sollen die Flüchtlinge zur Schule gehen? Bei der jüngsten Informationsveranstaltung des Bezirksamts dominierten kritische, aber sachliche Nachfragen, wie sie für Debatten vor Heimeröffnungen typisch sind. Wer nach dem Anschlag eines syrischen Flüchtlings in Ansbach scharfe Töne aus der Nachbarschaft erwartet hatte, sah sich eines Besseren belehrt.

Zwei neue Entwicklungen stehen laut Michael Hilbold von der Unterbringungsleitstelle im Ortsteil Westend bevor: Zum einen eröffnet Mitte August eine neue Gemeinschaftsunterkunft für 454 Flüchtlinge in der Heerstraße 16-18, dem früheren Sitz des Bauunternehmens Philipp Holzmann. Zum anderen entsteht bis zum Dezember eine Containerunterkunft auf dem Gelände des ehemaligen Familienbads im Gutsmuthsweg (Olympiapark) mit zunächst 500 Plätzen. Später wird die Kapazitäten in diesem so genannten „Tempo Home“ auf 250 Betten gesenkt. Oberstes Ziel sei es derzeit, so schnell wie möglich alle Turnhallen-Unterkünfte mit 7500 Plätzen in ganz Berlin aufzulösen und die Bewohner in den Bezirken auf reguläre Behausungen zu verteilen, erklärte Staatssekretär Dirk Gerstle (CDU). Inzwischen habe sich die Ankunftssituation deutlich entspannt – es kommen nur noch 30 Flüchtlinge am Tag nach Berlin, während es 2015 in Spitzenzeiten bis zu 1000 waren.


Geordnetes Verfahren
Dass Terroristen des sogenannten "Islamischen Staats" in die neuen Heime ziehen, hält Gerstle für nahezu ausgeschlossen, da das Bundesamt für Migration die Ausweisdokumente von Neuankömmlingen gründlich prüft. „Hier würden IS-Fälschungen erkannt werden“, hieß es. Inzwischen gelingt eine Registrierung von Flüchtlingen in Berlin binnen zwei Tagen. Sie beinhaltet einen „Ankunftsnachweis“ mit Fingerabdruck, der ein geordnetes Verfahren garantieren soll.

Und die Situation von jugendlichen Flüchtlingen an den Schulen? Hier sieht Sozialstadtrat Carsten Engelmann (CDU) derzeit kein Problem, zumal neben den 119 Willkommensklassen im Bezirk vier weitere in Planung sind. Engpässe bei den Kitaplätzen gilt es allerdings noch zu lösen. Ehrenamtliche Unterstützung durch die Initiative „Willkommen im Westend“ haben deren Verantwortliche schon zugesagt.

Das größte Hindernis für die Eröffnung der beiden neuen Gemeinschaftsunterkünfte: Eine Trägerschaft für die Heime muss neuerdings europaweit ausgeschrieben werden, was das Vergabeverfahren massiv verlängert. Kritik an den nicht transparenten Zuweisungen im vergangenen Jahr hat dazu geführt, dass es jetzt zwar durchschaubarer zugeht, aber dafür auch bürokratischer. Um die Hängepartie zu beenden, wird Gerstle nun eine „Interimsvergabe“ einleiten. Somit übernehmen Träger die Heime für zunächst neun Monate, bis die endgültige Entscheidung fällt. tsc
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Christine Baensch-Schneider aus Schmargendorf | 24.08.2016 | 08:47  
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