Flüchtlinge sitzen fest: Freigabe der Turnhallen-Unterkünfte verzögert sich

Statt Umzug eine Tortur: Etwa 150 Flüchtlinge harren in einer Schmargendorfer Turnhalle aus – ohne funktionierende Heizung. (Foto: Thomas Schubert)

Charlottenburg-Wilmersdorf. Im August sollte für sie das Schlimmste überstanden sein. Doch auch Ende Oktober ist für rund 300 Flüchtlinge in zwei Wilmersdorfer Turnhallen kein Umzug in feste Unterkünfte in Sicht. Zu allem Überfluss streikt nun in einer Halle die Heizung.

Acht Grad Außentemperatur und innen nicht viel wärmer: Flüchtlinge, die eine Turnhalle in der Forckenbeckstraße ihr Zuhause nennen, erleben dieser Tage eine Tortur. Denn in dem Moment, da man die Heizung der Halle gebraucht hätte, war sie kaputt. Nun wäre dies kein Problem, wenn denn die für August geplante Gemeinschaftsunterkunft in der Heerstraße 16 halbwegs pünktlich geöffnet hätte.

Doch selbst Ende Oktober kommt der Senat der Vergabe an einen Träger nur mühsam näher. „Einen Umzug wird es nicht vor Anfang Dezember geben“, teilte nun Stadtrat Carsten Engelmann (CDU), sichtlich enttäuscht, im Sozialausschuss den Bezirksverordneten mit. Die verschärften Bedingungen bei der Ausschreibungen von Heimen nach Skandalen der vorigen Monate fordern hier Tribut. Die Leidtragenden: Flüchtlinge.

Heizung kaputt

500 Plätze würden in der neuen Westender Gemeinschaftsunterkunft entstehen. Genug, um die Turnhallen-Heime in der Forckenbeckstraße und in der Prinzregentenstraße mit jeweils rund 150 Bewohnern aufzulösen.

Nun, da die spartanische Hallenunterbringung bis Dezember anhält, gilt die Sorge des Bezirks den frierenden Asylbewerbern in Schmargendorf. „Eine Reparatur der Heizung ist nur dann möglich, wenn die Halle geleert wird“, erklärt Engelmann. Geleert werden kann sie aber nicht, weil man in Westend um die Trägervergabe ringt. Ein Teufelskreis.

Lässt er sich durch einen Brandbrief an den Senat durchbrechen? Den jedenfalls haben Stadtrat Engelmann und Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) gemeinsam unterzeichnet. Wer nun glaubt, nach dem Auszug der Flüchtlinge könne der Sportbetrieb in den Hallen sofort wieder beginnen, sieht sich ebenfalls getäuscht. Dann müssen die stark beanspruchten Räumlichkeiten erst saniert werden. Ohne Hilfe des Senats. Das Geld, sagt Engelmann, muss der Bezirk selbst aufbringen – aus dem leeren Topf für die bauliche Unterhaltung. tsc
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