Gedächtniskirche setzt Pegida Friedensgebete entgegen

Frieden muss man üben: Vikarin Anna Trapp ruft dazu auf, Ablehnung und Hass im Umfeld zu bekämpfen. (Foto: Schubert)

Charlottenburg. Nächstenliebe statt Fremdenfeindlichkeit, anstelle von Schuldzuweisungen Verständnis für größere Zusammenhänge. Immer, wenn in Dresden Populisten marschieren, veranstaltet Vikarin Anna Trapp in der Gedächtniskirche eine erhellende Predigt unterm Kreuz.

Montagabend, 18 Uhr. Das Land blickt nach Dresden. Man zählt die Demonstranten, verdunkelt Wahrzeichen, bildet Meinungen zu und gegen Pegida. Die vermeintliche Abendlandrettung, das Anmarschieren gegen die befürchtete Islamisierung ist eine Sache lauter Parolen. Ganz leise ist es zu Füßen der Christus-Statue, die ins Blaue blickt. Vikarin Anna Trapp steht dort als helle Gestalt umgeben von den leuchtenden Waben der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Trapp sucht einen dritten Weg neben Protestmärschen und Gegendemonstrationen, will sich die Weltereignisse ganzheitlich erschleißen. "Einseitige Schuldzuweisungen", sagt sie ihren Zuhörern, "führen nicht zu einer friedlicheren Welt." Schuld, wie sie Pegida-Anhänger Muslimen und Migranten zuweisen, sei zu einseitig gedacht. Die globalisierte Welt schrumpft in diesen Tagen zu einem Dorf. Und die Not kommt mit Menschen, die man aus seinem Bewusstsein drängt, mit Booten übers Meer gefahren. Die Ungleichheit im Besitz, mahnt Trapp, gehört längst zu Berlin.

Jeden Montagabend ruft die Gedächtniskirche also zum Friedensgebet. Pegida und die Ukraine-Krise geben den Anlass, sind aber nicht Inhalt der Predigten und Gesänge. Trapp beruft sich auf die christliche Botschaft, sieht Nächstenliebe als Mittel gegen die Spirale aus Ablehnung und Hass. Versöhnung fängt bei Familie und Freunden an. "Der Frieden muss geübt werden, um den Krieg zu verlernen", lautet die Losung.

Wie auch immer es in Dresden und anderen deutschen Städten weitergehen mag - zu Füßen der Christusfigur wird Anna Trapps Friedenssuche so bald nicht enden. Sie will gegen Pegida sein und doch für etwas Verbindendes einstehen. Jeden Montag um 18 Uhr.


Thomas Schubert / tsc
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