„Schäbig und pervers“: Makler-Brief an Haushalte schürt Angst vor Flüchtlingen

Ein "Angstbrief" in über hundert Wilmersdorfer Briefkästen sorgt stadtweit für Aufruhr. (Foto: Thomas Schubert)

Wilmersdorf. Sinkende Immobilienpreise wegen der neuen Erstaufnahme des Lageso in der Bundesallee – das nennt Makler Uwe Fenner den Anwohnern als Anlass, ihr Eigentum zu verkaufen. Eine Flüchtlingseinrichtung als wertmindernden Faktor hinzustellen – diese Haltung stieß sofort auf Protest.

„Was denken Sie, was Ihre Eigentumswohnung noch wert ist?“ heißt die einleitende Frage. Und was diesen Worten folgt, sorgt auch jenseits von Wilmersdorf für Empörung. Das Schreiben stammt vom Makler Uwe Fenner, richtet sich an Einwohner des Bayerischen Viertels und bringt einen Wertverlust von Immobilien direkt in Verbindung mit der Eröffnung einer neuen Lageso-Registrierungsstelle in der Bundesallee 171.

„Wir wollen hier keinen einzigen Flüchtling diskriminieren, aber die Nachricht von Gewalttaten in Flüchtlingslagern, von Einbrüchen und Diebstählen gehen jeden Tag durch die Presse. Und als Beobachter des Marktes – da sind wir Makler sicher – wissen wir einfach, dass sich die Wohnungspreise in der Nachbarschaft solcher Großeinrichtungen im Nu halbieren", schreibt Uwe Fenner im Namen der Firma „Stadt & Raum Immobilien“. Eine These, die bei etlichen Bürgern Irritation oder Entsetzen hervorrief – und nicht wenige dachten einen schlechten Scherz.

„Schäbig und pervers“ – so empfindet Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) dieses Schreiben. Es gebe nach wie vor keinerlei Belege für die Behauptung, dass im Umfeld von Flüchlingseinrichtungen eine erhöhte Kriminalität zu verzeichnen ist. Zweiflern empfahl er kürzlich, sich vor Ort vom Funktionieren der Heime in seinem Bezirk zu überzeugen.

Auch der Wilmersdorfer Abgeordnete Stefan Evers (CDU) übt heftige Kritik an Fenners „Angstschreiben“, das ihm zuging. „Mit dumpfer rechter Propaganda wird Stimmung geschürt, werden Ängste und Sorgen instrumentalisiert zu Zwecken der Geschäftemacherei“, sagt Evers. Ein solches Vorgehen sei schlimmer als Taktiken der NPD.

Inzwischen hat sich Uwe Fenner von seinem eigenen Brief distanziert. In mehreren Medien gab er kund, dass er lediglich die unwürdigen Zustände bei der Aufnahme von Flüchtlingen als Problem ansehe, nicht die Flüchtlinge selbst. tsc
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