Senat vereinfacht Rückstellungen schulpflichtiger Kinder um ein Jahr

Berlin. Seit dem vergangenen Jahr ist es einfacher, eine Rückstellung schulpflichtiger Kinder zu beantragen. Der Start kann so um ein Jahr verschoben werden. Es reicht ein Kreuzchen auf dem Antrag zur Einschulung.

13 Prozent der Berliner Kinder wurden 2013 zurückgestellt. Die Zahl wird laut Swantje Goldbach von der Nachhilfeschule Lernwerk, weiter steigen. Trotzdem werden aus ihrer Sicht nicht genug Eltern die Möglichkeit nutzen: "Die erleichterte Rückstellung werden nur die in Anspruch nehmen, die sich mit dem Thema wirklich auseinandersetzen. Aber es ist schwer zu erkennen, ob ein Kind schulreif ist". Sie hält die Schulreform von 2004 für falsch, die die Vorschulen abschaffte und das Einschulungsalter auf unter sechs Jahre senkte. Das hätte große Probleme mit sich gebracht, weil vielen Kindern genau das halbe Jahr oder Jahr für ihre Entwicklung fehle. "Statt der vereinfachten Rückstellungspraxis sollte es besser wieder eine Vorschule geben", so Goldbach.

Viele andere Länder, darunter Pisa-Sieger Finnland, schicken ihre Kinder später in die Schule; meist erst mit sieben. In Berlin wurde das Einschulungsalter als Reaktion auf die schlechten Pisa-Ergebnisse von 6,7 auf 6,2 Jahre abgesenkt. Das geschah nach Senatsangaben, um die schulische Förderung so früh wie möglich beginnen zu lassen. Diese Entscheidung und die nun geschaffene einfachere Möglichkeit zur Rückstellung sollen Kinder besser in ihrer individuellen Entwicklung unterstützen. "Jedes Kind soll den bestmöglichen Förderort erhalten und zwar ungeachtet von seinem Geburtsmonat", so Bildungssenatorin Sandra Scheeres. Die Anmeldung für 2015/2016 läuft. Wie viele Eltern ihr Kind länger in der Kita lassen, wird sich zeigen. "Kinder, die spielend, durch Nachahmung und in Bewegung anfangen zu lernen, lernen besser", sagt Swantje Goldbach.


Jana Tashina Wörrle / jtw
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