SPD-Fraktionschef möchte Kita-Gebühren abschaffen

Berlin. Der frühe Kitabesuch wirkt sich positiv auf die Entwicklung von Kindern aus. Das ergab eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung. Grundsätzlich hat jede Familie Anspruch auf einen Platz, seit August 2013 auch für unter Dreijährige.

Doch so ein Platz kostet Geld. Im Schnitt zahlen Berliner Eltern rund 93 Euro pro Monat plus Verpflegungspauschale von 23 Euro. Die Gebühren sind nach Einkommen gestaffelt; eine Härtefallregelung befreit Eltern mit sehr niedrigem Einkommen. Die letzten drei Kitajahre sind kostenfrei.

Raed Saleh, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, möchte die Gebühr ganz abschaffen, damit mehr Kinder früh eine Kita besuchen. Widerspruch bekommt er von der Neuköllner Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD). Sie ist der Meinung, dass die Qualität der Betreuung wichtiger sei als eine Gebührenbefreiung für alle.

Und Qualität kostet, denn die bemisst sich unter anderem daran, wie viel Zeit die Erzieher für die einzelnen Kinder haben. In Berlin liegt der Betreuungsschlüssel bei unter Dreijährigen bei 6,6 Kindern pro Erzieher. 4,4 Kinder sind es im bundesweiten Schnitt. Anette Stein von der Bertelsmann Stiftung betreut dort ein Programm zu wirksamen Bildungsinvestitionen. Sie wäre zwar grundsätzlich dafür, Kita-Gebühren abzuschaffen. Solange die Qualität allerdings so schlecht sei wie derzeit, wäre das nicht zweckmäßig. "Wir brauchen mehr Qualität in der Kita-Betreuung", sagt Stein.

Wichtig sei, dass die Erzieher genügend Zeit für die einzelnen Kinder haben - gerade in einem sehr jungen Alter. Der Betreuungsschlüssel sollte bei nicht mehr als drei Kindern liegen. "Statt der Gebühren sollte die Politik als erstes die verdeckten Kosten etwa für Mittagessen oder Ausflüge abschaffen, denn die schrecken viele Eltern ab", rät Anette Stein.

Jana Tashina Wörrle / jtw
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