Umgang mit Denkmälern: FDP-Fraktion wirft dem Bezirk vor, die Schwerpunkte falsch zu setzen

Dem Denkmalschutz im Bezirk fehlt Personal – dem relativ frisch sanierten Siegfried auf dem Rüdesheimer Platz der Speer.

Charlottenburg-Wilmersdorf. Die FDP-Fraktion ist unzufrieden mit der Denkmalpflege im Bezirk. In einer Großen Anfrage in der letzten BVV vor der Sommerpause hat sie der Bezirksverwaltung falsche Prioritätensetzung vorgeworfen. Das stieß auf Unverständnis.

Exakt 1901 Denkmäler gibt es derzeit im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, für die FDP-Fraktion „identitätstiftendes baukulturelles Erbe, welches es zu schützen gilt“. Der Fraktionsvorsitzende Johannes Heyne sagte während der BVV: „In der vergangenen Zeit musste allerdings ein schlechter Umgang damit festgestellt werden. Der Gloria-Palast wird abgerissen, das Haus der Kirche am Karl-August-Platz erlebt einen wesentlichen Verlust an denkmalgeschützter Substanz, die Holtzendorff-Garagen dümpeln vor sich hin, für die Kant-Garagen konnten erst nach zähen Verhandlungen Lösungsansätze gefunden werden, die den drohenden Abriss verhindert haben.“ Für Heyne Grund zur Annahme, dass entweder die jeweiligen Eigentümer ihrer besonderen Sorgfaltspflicht gegenüber dem Denkmal nicht nachkämen oder sich das Bezirksamt nicht mit der notwendigen Energie um entsprechende Monumente kümmere.

Denkmalschutz contra Milieuschutz?

Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) entgegnete, dass eine weitere Vollzeitstelle in der Unteren Denkmalschutzbehörde geschaffen wurde, die baldmöglichst besetzt werden solle. Somit stünden im Bezirk dann vier Mitarbeiter für den Denkmalschutz zur Verfügung.

Für die Liberalen eine unbefriedigende Antwort: „Wir bezweifeln, dass durch die Besetzung von lediglich einer zusätzlichen Stelle die akuten Probleme behoben werden können. Der Bezirk hat die meisten Denkmäler im Land Berlin – und die Denkmalschutzbehörde mit den wenigsten Mitarbeitern. Er setzt erneut die falschen Prioritäten. Statt unser baukulturelles Erbe zu bewahren, investiert es lieber in Personal für das Bürokratiemonster Milieuschutz“, sagte Heyne.

Schruoffeneger wunderte sich über den Vorwurf. Es mache keinen Sinn, die beiden Bereiche Denkmal- und Milieuschutz gegeneinander auszuspielen. „Durch die Verdrängung weiter Teile der Stammbevölkerung aus einem Quartier – durch überzogene Modernisierungen oder spekulative Wohnungskäufe – wird ein Quartier genauso zerstört wie durch den Abriss eines prägenden Denkmals. Man kann also nicht sagen: Lieber das, als das.“ Auch schränke der Denkmalschutz Investoren noch massiver ein und sei noch viel bürokratischer als der Milieuschutz. „Wo ich der FDP Recht gebe, ist, dass wir im Bereich Denkmalschutz noch mehr Personal brauchen. Bei der Anzahl an Denkmälern ist einiges zu tun.“ maz
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Joachim Neu aus Charlottenburg | 01.08.2017 | 09:18  
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