Bürger benennen Spielplatz nach Günter Schwannecke

Bürger organisieren sich in einer Initiative, um dafür einzutreten, dass der Kunstmaler Günter Schwannecke als Opfer Anerkennung erfährt. (Foto: Schubert)

Charlottenburg. Von Neonazis erschlagen, aus den Listen der Opfer verschwunden. Eine neue Initiative kämpft für eine Würdigung Günter Schwanneckes als Menschen, der sein Leben ließ, weil er vor 20 Jahren gegen Rechtsradikale die Stimme erhob.

Was an der Ecke Pestalozzistraße und Fritzschestraße am Abend des 29. August 1992 geschah, soll nach dem Willen des Bürgers Helmut Lölhöffel und seiner Initiative nicht in Vergessenheit geraten. Wenige Tage nach dem Pogrom von Rostock-Lichtenhagen nahmen damals zwei Männer Anstoß an asiatischen Kindern, die hier friedlich auf einem Spielplatz weilten. Es fielen rassistische Beleidigungen. Ein Mann namens Günter Schwannecke schritt ein - und bezahlte seine Courage mit dem Leben. Denn die beiden Neonazis verließen den Ort, um kurz darauf mit Baseballschlägern zurückzukehren. "Es war ihnen nun egal, wer Opfer wird", erzählt Lölhöffel. Was sich dann zutrug, erschüttert Menschen bis heute. Sie droschen so lange auf den Kunstmaler und seinen Freund Hagen Knuth ein, dass er wenige Tage später im Krankenhaus Westend seinen schweren Verletzungen erlag. Knuth kam knapp mit dem Leben davon.

Wofür die Schwannecke-Intititative eintritt, machte sie zum Jahrestag der Attacke deutlich. Ein selbst finanziertes und angebrachtes Schild soll die Erinnerung wach halten und daran gemahnen, dass der Name des Erschlagenen nicht unter den Opfern rechter Gewalt gelistet wird. Lölhöffel kennt dafür keinen plausiblen Grund. Mit seinem Sohn Leo und Dutzenden Empörten möchte er nun das Bezirksparlament davon überzeugen, die provisorische Benennung des Spielplatzes durch Anbringung einer Informationstafel amtlich zu bestätigen.

Beistand bekommt die Initiative vor allem durch die Linken und Verordnete der SPD wie Carolina Böhm. Sie versprach, in der BVV einen entsprechenden Antrag einzubringen, damit man einen Künstler würdigen kann, "bei dem wir nicht wissen, welche Ausstellung er noch eröffnet hätte".


Thomas Schubert / tsc
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