Bürgermeister Reinhard Naumann sieht den Bezirk 2014 weiter im Aufwind

Der Rathauschef schätzt Charlottenburg-Wilmersdorf für seine Vielschichtigkeit. (Foto: Schubert)

Charlottenburg-Wilmersdorf. Finanzen, Mieten und Platz für Flüchtlinge - diese Themen bestimmen auch das neue Jahr. Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) äußert sich dazu im Gespräch mit Berliner-Woche-Reporter Thomas Schubert.

Vor welchen Herausforderungen steht der Bezirk im neuen Jahr?

Reinhard Naumann: Wir haben noch 2150 Beschäftigte an Bord, die Arbeit für unsere Bürger leisten. Und wir befinden uns in der Notwendigkeit eines Personalabbaus bis 2016. Es wird eine Herausforderung sein, die Auswirkungen auf die Bürger möglichst gering zu lassen. Aber Einschnitte wird es weiter geben, etwa bei der Grünflächenpflege. Das bringt mich zum wichtigen Thema Ehrenamt. Wir bemerken mit Freude, dass sich immer mehr Bürger in ihrem Kiez engagieren - sei es in der Nachbarschaftshilfe oder beim Erhalt der Grünflächen. Zugleich ist es wichtig, dass wir wieder zu einer höheren Wertschätzung dessen kommen, was Mitarbeiter im öffentlichen Dienst leisten. Ein Punkt, der sich 2014 weiter positiv auswirkt, ist der Aufschwung der City West. Dabei kommt es dank dem Campus Charlottenburg mit den Universitäten immer mehr zur Ansiedlung von kreativen Köpfen.

Wie ist es um die Haushaltssituation im Bezirk bestellt?

Reinhard Naumann: Es gibt Licht und Schatten. Ich bin glücklich darüber, dass das Parlament die Bezirke bei Schulsanierung und Schlaglochbeseitigung mit einem Paket von 80 Millionen Euro unterstützt. Meine Kritik: Weitere 25 Millionen Euro haben die Bezirke in ihre Haushalte eingestellt. Bei uns sind es je 2,2 Millionen Euro in 2014 und 2015. Wir erhalten aber erst mit der Abrechnung Anfang 2015 die Gewissheit, ob wir das Geld überhaupt bekommen. Wir wissen schon jetzt, dass wir es benötigen. Und zwar nicht für goldene Türklinken, sondern für die Bürger.

Wie kann der Bezirk den Wohnungsneubau unterstützen?

Reinhard Naumann: Es hat schon Gespräche mit der neuen Wohnungsbau-Leitstelle des Senats gegeben. Und wir haben die Bereiche benannt, die zur Bebauung geeignet sind. Wichtig wird es sein, dass wir zu intelligenten Lückenschließungen kommen. Denn große Freiflächen gibt es nicht mehr. Ich wünsche mir, dass wir auch Bauvorhaben realisieren können, wo die Quadratmetermiete deutlich unter 10 Euro liegt. Das ist mir als sozialdemokratischer Bürgermeister ein besonderes Anliegen.

Was halten Sie davon, Quartiere unter Milieuschutz zu stellen?

Reinhard Naumann: Wir sind dabei zu prüfen, welche Kieze dafür in Frage kämen. Aber Milieuschutz ist kein Allheilmittel. Der Wohnungsmarkt wird geregelt durch Angebot und Nachfrage. Die Steuerung muss laufen über die städtischen Wohnungsbaugesellschaften, die ihren Bestand erweitern. Es braucht aber auch die Bereitschaft der Anwohner, sich von brachliegenden Biotopen zu verabschieden. Und den Blick in den Himmel nicht mehr über die Brache wandern zu lassen, sondern über das Dach eines Neubaus mit netten Nachbarn.

In Berlin mangelt es an Plätzen für Asylbewerber. Im Bezirk sind es derzeit etwa 550. Wie viele Plätze können noch entstehen?

Reinhard Naumann: Mit einer konkreten Zahl zu hantieren wäre fahrlässig. Richtig ist, dass wir mehr Plätze brauchen - im Gleichklang mit den anderen Bezirken. Wichtig wird es sein, vor der Eröffnung von neuen Wohnheimen die Menschen im Umfeld mit auf den Weg zu nehmen. Wir wollen eine Willkommenskultur pflegen. Denn ein Markenzeichen der City West ist die Vielfalt der Menschen, die hier leben. Das ist das Liebenswerte an Charlottenburg-Wilmersdorf. Unsere Vielfalt ist ein Schatz!


Thomas Schubert / tsc
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