Bunte Lichter für den Frieden am Kaiserdamm

Kindliche Liebe gegen den Hass: Mit diesen Leuchtkörpern wollen die Künstler den öffentlichen Raum von aggressiven Stimmungen befreien. (Foto: Schubert)

Charlottenburg. Bunte Lichter für Frieden in der Gesellschaft: Unter der Anleitung zweier Künstler verhalfen Alt und Jung verschiedenen Stofffiguren zur anrührenden Gestaltung. Sie schmücken vier Wochen lang des Nordufer des Lietzensees.

Hier der nie versiegende Verkehrsstrom des Kaiserdamms - dort besinnliche Kunst. Es ist ein Sammelsurium der Symbole und Texte, was den Betrachter erwartet. Peace-Zeichen, zum Frieden gemahnende Lebensweisheiten, eine zart glimmende Engelsfigur in Höhe der Baumkronen. Wie Lampions spannen sich dahinter die leuchtenden Figuren über die Köpfe der Flaneure. "Lichter des Respekts und des friedlichen Miteinanders" lautet der etwas sperrige Titel des Projekts. Was damit gemeint ist, erschließt sich beim abendlichen Spaziergang am Lietzensee ganz von alleine.

"Wir wollten zeigen, dass man auch in den tragischsten Momenten Energie für etwas Positives gewinnen kann", sagt Vaja Marcone, die Mutter von Giuseppe. Jenes jungen Mannes, der im September 2011 auf der Flucht vor Schlägern auf den Kaiserdamm rannte, von einem Auto erfasst wurde und seinen tödlichen Verletzungen erlag. "Schmerzen in Liebe verwandeln" - das war es, was Sofia Camargo und ihr Künstlerkollege Thomas E.J. Klasen für sie leisten wollten.

Die Holzgerüste ihrer Lichtkörper ließen sie von zwei Berliner Initiativen für Langzeitarbeitslose anfertigen und ein einem Atelier mit Stoff bespannen. Dann schlug die Stunde der eigentlichen Gestalter. "Es waren einige Kinder dabei, Schüler und Leute, die sich spontan anschlossen, viele Ältere", erzählt Vaja Marcone.

Und die Reaktion der Leute? "Viele konnten nicht glauben, dass die meisten dieser Bilder auf den Figuren von Erwachsenen gemalt wurden", sagt Klasen. Und genau das lag in seiner Absicht. "Es ist schön, wenn Erwachsene ihr inneres Kind, ihre Unbeschwertheit nach außen tragen." Den öffentlichen Raum mit dem Gefühl der kindlichen Liebe zu erfüllen, dies wird in den nächsten Wochen das Ziel sein.

Unterstützung erhielt die Giuseppe-Marcone-Stiftung von der Wohnungsgesellschaft Gewobag, welche die Arbeitsräume zur Verfügung stellte. Dazu spendierte Osram die Lampen und Vattenfall den Strom. Beistand gab es auch von den Schirmherren des Projekts, den Musikern Max Herre und Joy Denalane, von Tina K., der Schwester des am Alexanderplatz getöteten Jonny, sowie von Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD). Mit dessen Unterstützung hatte Vaja Marcone im Juni am Kaiserdamm bereits ein Mahnmal einweihen können. "Und ich hoffe, dass noch viele Projekte folgen werden."


Thomas Schubert / tsc
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