Im Planspiel übernehmen Jugendliche die Rolle von Politikern

Der Vorsitzende der Fraktion "Die Anderen", Marco Schneider, fragt das Bezirksamt nach dem kostenlosen Zugang zum W-Lan-Netz. (Foto: Wecker)

Charlottenburg. Im großen Sitzungssaal im Rathaus Charlottenburg sitzen auf den Plätzen der Bezirksverordneten die Schüler der Klasse 9c der Friedrich-Ebert-Oberschule in Wilmersdorf. Erwartungsvoll und gespannt schauen sie zur BVV-Vorsteherin Judith Stückler (CDU), die ihnen gegenüber am Tisch sitz.

"Ich freue mich, Sie zur Parlamentssitzung im Rahmen des Planspiels Kommunalpolitik begrüßen zu dürfen", heißt Judith Stückler die Anwesenden willkommen. Neben ihr im Präsidium sitzt am 22. Mai Sarah Gailer von der Friedrich-Ebert-Stiftung und Marika Gaida, eine Schülerin der Klasse 9c.Das Planspiel Kommunalpolitik ist ein Angebot der Friedrich-Ebert-Stiftung. Nach einer intensiven Vorbereitungszeit versetzen sich die Jugendlichen in die Rolle der Kommunalpolitiker ihrer Stadt und simulieren reale politische Prozesse. Im Sitzungssaal spielen sie an diesem Tag möglichst wirklichkeitsgetreu eine Parlamentssitzung nach. "Die Sitzung ist das vierte Treffen innerhalb dieses Projekts und gleichzeitig der Abschluss und Höhepunkt", sagt die Klassenlehrerin Monika Aurich. Im Voraus bildeten die Schüler fiktive Parteifraktionen und überlegten sich Themen, die sie als Jugendliche in ihrem Bezirk selbst betreffen. Dazu formulierten sie zunächst Anfragen wie "Wie viele Obdachlosenunterkünfte gibt es in Charlottenburg-Wilmersdorf ?" Drei Stadträte nahmen ebenfalls an der Sitzung teil.

Carsten Engelmann (CDU), Stadtrat für Soziales und Gesundheit, geht als erster ausführlich auf die Fragen zum Thema Obdachlosigkeit in Charlottenburg-Wilmersdorf ein. "Was tut der Bezirk um weitere Obdachlosigkeit zu verhindern?", fragt Ruben Moyer von der "Sozialen Partei Wilmersdorf". "In Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es zehn Obdachlosenunterkünfte und eine soziale Wohnhilfe. Der Bezirk übernimmt beispielsweise die Kosten für Mietschulden", antwortet Carsten Engelmann.

Außerdem erarbeiteten die Jugendlichen Anträge, in denen sie ihre Standpunkte und Forderungen formulierten. Sie versetzten sich also in die Rolle der Politiker und überlegten, wie und an welchen Stellen man etwas verbessern könnte. Vor dem Parlament trug ein Parteimitglied den Beschlussvorschlag vor. "Die BVV möge beschließen, dass das Jugendamt mit in die Arbeit zur Hilfe für Obdachlose einbezogen wird", lautete eine Forderung der Schülerpartei Wilmersdorf zum Thema Obdachlosigkeit. Darüber wurde nun in der Parlamentssitzung debattiert und abgestimmt, ob der Antrag angenommen oder abgelehnt wird. Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, an der sich auch die Stadträte beteiligten. Der Beschlussvorschlag der Sozialen Partei Wilmersdorf wurde abgelehnt, da sich während der Diskussion herausstellte, dass viele der genannten Forderungen bereits bestehen.

"Ihr seid hier, um debattieren zu lernen!", sagt Sarah Gailer von der Friedrich-Ebert-Stiftung um die Jugendlichen zwischenzeitlich zu motivieren, weiter zu diskutieren. Denn mit einem bestimmten Handzeichen konnte man dafür plädieren die Debatte sofort zu beenden. Natürlich musste darüber zunächst abgestimmt werden. "Zwischendurch ist ein bisschen Humor und gemeinsames Lachen ganz wichtig bei solchen Sitzungen", sagt Judith Stückler. Die eineinhalb Stunden lange Sitzung verlangte den Schülern viel Geduld, Disziplin und Konzentration ab. "Es ist gut, dass Sie schon früh trainieren, kritische Fragen zu stellen und Interesse zu bekunden", lobt Judith Stückler die Schüler.

Ziel des Planspiels ist es, Politik einmal selbst auszuprobieren und nicht nur als passiver Zuschauer zu erleben. "Der Lerneffekt ist hierbei groß. Die Schüler haben einen Eindruck bekommen, wie Parlamente funktionieren", so die Klassenlehrerin. Das Planspiel wurde im Rahmen ihres Sozialkundeunterrichts zum Thema Parlamentarismus angeboten.


Lara Loehrke / lalo
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