Miete wird nicht mehr gezahlt: Eigentümer will Umbau

Charlottenburg. "Hotel und Denkmalschutz gehen nicht zusammen", sagte Thomas Bscher zur Zukunft des Hauses in der Schlüterstraße 45. Dort befindet sich das Hotel "Bogota", das im nächsten Jahr 50. Geburtstag feiern könnte, wenn da nicht die Kündigung des Mietverhältnisses wäre.

Eine Räumungs- und Zahlungsklage sei bereits erhoben worden, teilt der Hotelbetreiber Joachim Rissmann mit. Dies erfolgte, so der Eigentümer Thomas Bscher, "weil der Hotelbetreiber im Januar 2013 seine Mietzahlung eingestellt hat". Obwohl sich zahlreiche Künstler, Kunstförderer und Intellektuelle für dieses Hotel mit dem besonderen Flair einsetzen: Die Bedeutung dieses Gebäudes liegt weniger in prominenten Hotelgästen als vielmehr in seiner Geschichte. Das Gebäude wurde 1911/12 als Wohnhaus für den Millionär Robert Leibbrand errichtet. Dort wuchs sein Sohn Werner Leibbrand auf, der sich als Psychiater einen Namen in der Berliner Filmwelt machte. Er initiierte mit der Vereinigung "Sozialistischer Ärzte" die ersten Fürsorgestellen für Alkohol- und Drogenabhängige. 1947/48 wurde er als einziger deutscher Gutachter zu den Nürnberger Ärzteprozessen hinzugezogen.

Ein Mieter war Oskar Skaller. Bei ihm waren führende Sozialdemokraten wie Reichsinnenminister Carl Severing, Ernst Heilmann und Otto Wels zu Gast. Sein Herz schlug ebenso für die Kunst. Er sammelte hier die französischen Impressionisten von Corot bis van Gogh. In den 20er-Jahren trafen sich hier Künstler wie das russische Ballett "Der Blaue Vogel" und auch Benny Goodman soll auf einem der Hausbälle gespielt haben. 1934 zog die Modefotografin Yva ein und eröffnete in der Maisonettewohnung ihr Studio, wo Helmut Newton eine zweijährige Lehre absolvierte.

Nach der Enteignung des jüdischen Hausbesitzers machte sich in der Nazizeit Hans Hinkel mit seiner Reichskulturkammer breit. Er empfing in seinem Büro Künstler wie Gustav Gründgens und Hans Albers. Nach dem Krieg folgte die "Kammer der Kunstschaffenden" die hier am 25. Juli 1945 die erste große Kunstausstellung nach dem Krieg ausrichtete.

Thomas Bscher will das Gebäude wieder in seiner Ursprünglichkeit herrichten - für Büros.


Frank Wecker / FW
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.