Politiker äußern sich kritisch zur Lewishamstraße

Zum Wohle einer autogerechten Stadt: Die Untertunnelung am Adenauerplatz zerschneidet den Kiez, sorgt aber für einen günstigen Verkehrsfluss. (Foto: Schubert)

Charlottenburg. Im Bereich der Ku'damm-Unterführung gehört die Lewishamtraße zu den unwirtlichsten Flecken der ganzen Stadt. Viele würden den Tunnel am liebsten zuschütten lassen. Die CDU hält ihn für unverzichtbar.

Es will nicht enden, das Rollgeräusch der Reifen. Unablässig hallt es zwischen den Hauswänden. Und aus den Tiefen des Tunnels brüllt ein Sportwagen seine Leistung heraus. Über dem Schacht: leblose Harmonie von Beton und Asphalt. Eine Mutter schiebt ihren Kinderwagen an einem Erotikkino vorbei, entlang am Schlund, aus dem die Autos sausen.

Als tiefe Kerbe spaltet die Lewishamstraße am Adenauerplatz nicht nur den Kiez, sie polarisiert auch Politiker. Auf der Internetseite des Bezirks geben nun Experten aller Fraktionen ihre Einschätzungen ab. Und gehen dabei mit der Architektur zum Wohle der Autofahrer mal mehr, mal weniger hart ins Gericht.

Die Extremposition heißt immer noch: den Tunnel unter dem Kurfürstendamm zuschütten lassen. Bereits 2011 hatte die SPD-Fraktion Charlottenburg-Wilmersdorf diesen Schritt verlangt - wurde aber vom Senat wegen mangelnder Finanzierbarkeit abgewiesen. Nun hofft Sprecherin Heike Schmitt-Schmelz durch neue Bauvorhaben zumindest auf eine Aufwertung und bessere Balance zwischen den Verkehrsteilnehmern.

Noch eindringlicher klingt die Kritik an der Trasse im Kommentar der Grünen. "Die Lewishamstraße ist ein unsägliches verkehrspolitisches Attentat auf die Bewohner des Kiezes um die Sybelstraße", wettert Roland Prejawa. Er besteht nicht nur auf der Beseitigung des Tunnels, sondern will auch einen querungsfreundlichen, begrünten Mittelstreifen.

Solche Umbauten erklärt Arne Herz von der CDU für unrealistisch. "Wir halten den Straßentunnel für den Verkehrsfluss unter dem Kurfürstendamm für unverzichtbar. Andernfalls würden sich Staus und Umfahrungsstrecken in die angrenzenden Wohngebiete ausweiten", befürchtet er. Über das Erscheinungsbild der Straße solle man mit Anwohnern und Gewerbetreibenden Gespräche führen, schlägt Herz als rasche Maßnahme gegen die ungemütliche Atmosphäre vor.

Dies geht den Piraten und der Linken-Bezirksverordneten Marlene Cieschinger nicht weit genug. "Menschen und nicht Autos gehören in den Mittelpunkt", fordert Piraten-Sprecherin Merle von Wittich. Auch Cieschinger schließt sich den Tunnelkritikern an - mit dem Hinweis, dass es genügend andere Nord-Süd-Verbindungen gibt. Doch so klar die Mehrheitsverhältnisse im Bezirk auch sein mögen: In den Planungen des Senats spielt eine Tunnelschließung vor dem Jahre 2020 keine Rolle.


Thomas Schubert / tsc
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