Polizei überwachte Regelverstöße der Radler

Polizeioberrat Andreas Tschisch ist Berlins oberster Verkehrspolizist. (Foto: FW)

Charlottenburg. So viel Dreistigkeit ist kaum vorstellbar: Zehn uniformierte Polizisten stehen am Europa-Center und dennoch radelt eine ganze Familie längs zur Budapester Straße über den Gehweg, obwohl sich unmittelbar daneben ein Radfahrstreifen befindet.

Ein Fahrradkurier missachtete die Halteaufforderung eines Polizisten gleich ganz und rast über den Breitscheidplatz davon. Das alles passierte innerhalb einer halben Stunde während eines Schwerpunkteinsatzes der Polizei, der der Sicherheit der Radfahrer galt. Radfahrer sind eine gefährdete Gruppe der Verkehrsteilnehmer. Polizeioberrat Andreas Tschisch, der Verkehrssicherheitsreferent der Berliner Polizei ist, berichtet von über 7000 Verkehrsunfällen, an denen im vorigen Jahr in Berlin Radfahrer beteiligt waren. Es gab über 5000 verletzte Radfahrer und: "Jeder dritte Verkehrstote ist ein Radfahrer." Aus diesem Grund wurde der Schwerpunkteinsatz anberaumt. "Es gibt eine leichte, aber nicht beunruhigende Zunahme bei der Anzahl der Verunglückten", sagt Berlins oberster Verkehrspolizist zur Berliner Woche. "Die Unfälle sind nach wie vor auf hohem Niveau."

"Die Hauptunfallursache besteht darin, dass auf Verkehrswegen gefahren wird, die nicht für das Fahrradfahren zugelassen sind", informiert Andreas Tschisch. Eine Abnahme der Unfälle ist nun aber nicht dadurch zu erwarten, dass einfach das Radeln in Fußgängerzonen und auf Gehwegen erlaubt wird. "Überall da, wo nicht isoliert gefahren wird, kommt es zwangsläufig zu Konfrontationen der Verkehrsteilnehmer und damit zu Unfällen."

Weitere Ursachen sieht der Polizist beim Einfahren der Radler in den Fließverkehr, das häufig für Autofahrer überraschend kommt, sowie bei Rotlicht- und Vorfahrtsverstößen. Ferner fahren Radfahrer, die mit Elektromotor auf bis 25 Kilometer in der Stunde beschleunigen können, häufig zu schnell. Obwohl Andreas Tschisch, weil es schwer kontrolliert werden kann, gegen eine Pflicht zum Tragen von Schutzhelmen ist, empfiehlt er doch jedem Radfahrer, sich damit zu schützen.

Noch mehr als die Radfahrer sind die Fußgänger gefährdet. Aber auch hier ist die gleiche Disziplinlosigkeit zu beobachten. Selbst die Busse, die vom Vorplatz des Bahnhofs Zoo in die stark befahrene Hardenbergstraße einbiegen wollen, haben große Schwierigkeiten, da die Signalgebung der Ampel kaum noch beachtet wird.

"Unsere Verkehrsüberwachung", sagt Andreas Tschisch, "richtet sich danach, wo die häufigsten Unfälle auftreten. Die zunehmende Disziplinlosigkeit scheint dagegen ein gesamtgesellschaftliches Problem zu sein, das die Polizei nicht durch Verkehrsüberwachung lösen kann."


Frank Wecker / FW
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