Stadtplaner umreißen die Zukunft des Breitscheidplatzes

Viele Wünsche, kein Geld: Ob um Gedächtniskirche und Bikini-Haus überhaupt nennenswerte Umbauten eintreten, wird eine Frage des Finanzen sein. (Foto: Schubert)

Charlottenburg. Was geschieht rund um die Gedächtniskirche? Im Auftrag des Bezirks erfragte eine Planergemeinschaft die Wünsche der Anrainer. Drei Szenarien sind denkbar: von minimalen Veränderungen des Platzes bis zum großen Umbau.

Nur langsam schält sich der alte Turm der Gedächtniskirche aus den Gerüsten. Um ihn herum schweben Fragezeichen. Wie soll sich der Breitscheidplatz künftig präsentieren? Und was wollen die Anrainer? Das waren die Kernfragen, denen sich die Planergemeinschaft Kohlbrenner gewidmet hat.

Heraus kam ein Bild voller Widersprüche. Möchte man den Platz kommerziell nutzen oder von gewerblicher Last befreien? Will man mit Denkmalen wie dem Weltkugelbrunnen respektvoll umgehen oder sie aus dem Weg räumen? Soll ein besinnlicher Kirchenbesuch gefördert werden oder geschäftiger Rummel? Darum dreht sich der Streit. Und diese Richtungsentscheidungen werden zu treffen sein - vom Bezirk, den Anrainern und von der BVG. Denn wenn die Verkehrsbetriebe im Jahre 2017 den Tunnel der U 2 unter dem Platz sanieren, muss klar sein, was oben geschieht.

Das Äußerste, was sich Stadtplanerin Ulrike Lange vorstellen kann, wäre ein Totalumbau an der Oberfläche. Im Stadtentwicklungsausschuss nannte sie zwei Grausamkeiten, die als unwahrscheinlich gelten: den Abriss des Foyers der Gedächtniskirche und die Einstampfung des Weltkugelbrunnens. Langes Kollege Urs Kohlbrenner macht keinen Hehl daraus, dass er den "Wasserklops" als Störfaktor empfindet. "Die Kugel nimmt sich zu wichtig", sagte er. Ein völliger Abriss des Denkmals sei aus rechtlichen Gründen einfacher zu erreichen als eine Überarbeitung. "Rechtlicher wäre es einfacher, politisch nicht", meldete sich der Ausschussvorsitzende Stefan Häntsch zu Wort. Seine CDU-Fraktion lehnt den Abriss strickt ab.

Hinter dem Großumbau steht jedenfalls die Frage nach dem Geld. Billiger zu haben wäre eine leichte Überarbeitung des Platzes, die Lange als zweite Möglichkeit vorsieht. Hier würden sich die Eingriffe auf erneuerte Sanitäranlagen, bessere Beleuchtung und ein anderes Baumkonzept beschränken. Der Weltkugelbrunnen könne durch die Wegnahme einiger Elemente laut Lange "etwas reduziert werden". Der Zugang zum Europa-Center wäre dann vergrößert.

Geld müsse man auch in diesem Fall in die Hand nehmen. Woher soll es kommen? Dies ist ein weiterer Widerspruch, und sicher der entscheidende: Der Breitscheidplatz soll schöner werden. Aber niemand will dafür bezahlen. "Es ist erschreckend, wie gering die Bereitschaft ist, sich einzubringen", kritisierte Stadtentwicklungsstadtrat Marc Schulte (SPD) die Haltung von Geschäftsleuten, Hoteliers und Gastronomen. Also scheint der dritte Fall, den Lange nannte, am wahrscheinlichsten: keine Veränderung auf dem Platz, sondern nur eine bessere Kommunikation der Nachbarn, bessere Reinigung, höchstens ein neuer Belag. Umbau und Abriss wären vom Tisch. Eine gute Nachricht für Freunde des Weltkugelbrunnens. Ihr "Wasserklops" wäre außer Gefahr.


Thomas Schubert / tsc
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