Treffpunkt für Behinderte droht die Schließung

Gute Nachbarschaft hält jung: Ingrid Bitowski liebt es, trotz Arthrose zu stricken. Ihre Arbeiten zeigt sie in der Begegnungsstätte. (Foto: Schubert)

Charlottenburg. Sie ist ein Lebensmittelpunkt für Menschen mit und ohne Behinderungen - und soll verschwinden: Die Begegnungsstätte der Caritas in der Mierendorffstraße 7 steht auf der Kippe. Wenn kein Geldgeber einspringt, gehen Ende März die Lichter aus.

Petra Löwe hat ihr Leben im Griff - auch dank guter Nachbarschaft. Seit 1994 besucht und schätzt sie den Treffpunkt unter ihrer Wohnung. Diesen Raum, an dem es egal ist, dass sie im Rollstuhl sitzt und neben ihr jemand auf einer Sitzgelegenheit ohne Räder. Zur Weihnachtszeit hat Löwe im Kreise ihrer Mitbewohner Kuchen gegessen, vielleicht das letzte Mal an diesem Ort. Denn das Malteser-Werk Berlin, der bisherige Geldgeber, stoppt Ende März die Zahlungen für den Betrieb der Begegnungsstätte durch die Caritas. Nach jetzigem Stand werden die Hausbewohner vom Ladenlokal und von den beiden Mitarbeitern, die hier für Betreuung sorgen, Abschied nehmen müssen.

"Es gibt ein finanzielles Problem", erklärt Klaus Kretschmar-Schaaf die Situation. Im Namen aller Hausbewohner schilderte er die Lage in Briefform. Vertreter des Malteser-Werks und der Caritas, auch Kardinal Woelki, erhielten das Schreiben mit der Bitte um Hilfe.

Antwort erhielt Kretschmar-Schaaf von Ulrike Kostka, der Direktorin der Diözese. Die Schließung sei Folge einer Rechtsstreitigkeit zwischen dem Malteser-Werk als Generalmieter und dem Eigentümer des Hauses, der Firma Grundreal, schreibt sie. In Folge dessen würde das Mietverhältnis zum April auslaufen und die Finanzierung durch das Malteser-Werk entfallen. Die Grundreal selbst sei bislang nicht dazu bereit, die Arbeit der Caritas in der Begegnungsstätte zu bezahlen, heißt es weiterhin. Gegenüber Kretschmar-Schaaf hat sich die Eigentümerfirma aber dazu bekannt, die Begegnungsstätte erhalten zu wollen - offenbar in Sorge, Mieter zu verlieren, die genau wegen dieses sozialen Angebots hier leben. Der Erhalt hängt nun davon ab, ob sich ein Geldgeber findet, der den Betrieb finanziert.

Andernfalls dürfte Petra Löwes Leben wohl schwerer werden. Dank der Zusammenkünfte kennt sie ihre Nachbarn und weiß, bei wem sie klingeln kann, wenn sie Hilfe braucht. Ob man dieses Miteinander ohne Begegnungsstätte weiter pflegen kann, halten die meisten für fraglich. Rentnerin Leah Rosenberg lebt als Erstmieterin seit 30 Jahren hier und ahnt, was auf dem Spiel steht: "Wir wären nur noch ein ganz gewöhnliches Haus."


Thomas Schubert / tsc
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