Wie die Nazis versuchten, Zille zu vereinnahmen

Charlottenburg. Am Mittwoch, 30. Januar, wird in der Villa Oppenheim in der Schloßstraße 55 die neue Zille-Monografie vom Autor Pay Matthis Karstens vorgestellt.

Der Autor ist erst 23 Jahr alt und kann doch schon die Öffentlichkeit mit einer nahezu unbekannten Rezeptionsgeschichte des großen Künstlers aus dem Charlottenburger Kiez überraschen. Die betrifft die Aufnahme seines Werkes durch die Nationalsozialisten. Neue Archivfunde von Pay Matthis Karstens zeigen, wie die Nazis Pinselheinrich für ihre Zwecke zu vereinnahmen suchten. Zunächst behandelten sie das Werk des 1929 gestorbenen Künstlers als Tat eines "sozialistischen Volksschädlings". Später wollten sie aus Zille "einen antisemitischen Vorarbeiter des Nationalsozialismus" machen.

Was in dieser Zeit mit den Bildern, Büchern und Denkmälern Zilles genau geschah, blieb bis heute unerforscht. Jetzt bringt Pay Matthis Karstens Licht in dieses Dunkel. Die Ausstellung "Zensur und Willkür. Das Werk Heinrich Zilles im Nationalsozialismus", die vom 16. März bis zum 4. August 2013 in der Villa Oppenheim gezeigt wird, ist einer der Beiträge des Bezirksmuseums zum Themenjahr "Zerstörte Vielfalt".

Pay Matthis Karstens wurde 1989 in Flensburg geboren. Mit einem Stipendium der "Studienstiftung des deutschen Volkes" studierte er Kunstgeschichte und Deutsche Literatur in Berlin.

Vor seinem Studium war er bereits im Arbeitskreis des Wallraf-Richartz-Museums und Museum Ludwig in Köln aktiv und arbeitete während seines Studiums für das Deutsche Historische Museum und die Liebermannvilla in Berlin.

Derzeit ist er für das Seminar für Künstlerisch-Ästhetische Praxis an der Humboldt Universität tätig.

Karstens, Pay Matthis: Verboten und verfälscht. Heinrich Zille im Nationalsozialismus, Berlin 2013. ISBN 978-386408-134-7. 160 Seiten, 16,90 Euro.

Frank Wecker / FW
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