Bezirk nimmt wie erwartet weitere Asylbewerber auf

Charlottenburg-Wilmersdorf. Umzug in der Eschenallee: Die Psychiatrie der Charité verwandelt sich wohl im Februar in ein Flüchtlingsheim. Mit Ungeduld wartet der Bezirk auf Informationen vom Lageso. Und erhofft sich die baldige Auflösung der Turnhallenunterkünfte.

Für jemanden, der den Ernst der Lage nicht kennt, mag es klingen wie ein makabrer Scherz. Aber die Einquartierung von Asylbewerbern im psychiatrischen Klinikum an der Eschenallee ist vielleicht sogar das, was man in Zeiten von Platznot eine ideale Lösungen nennen kann. Denn einerseits wird nach dem Wegzug der Psychiatrie aus Westend Leerstand vermieden. Andererseits suchte das Landesamt für Gesundheit (Lageso) seit Monaten nach großen Gebäuden, die Familien Privatsphäre erlauben. Jetzt wurde man fündig.

Bislang blieben aber viele Fragen offen. Schon mit der Bekanntgabe eines Eröffnungstermins nimmt sich das Lageso Zeit, obwohl die Neunutzung des 9000 Quadratmeter großen Baus wohl kurz bevorsteht. Der Grund: Es laufen noch Verhandlungen darüber, wer die Trägerschaft übernimmt. Sobald diese Frage geklärt ist, soll der Einzug von Flüchtlingen erfolgen. "Hoffentlich erfahren wir es vorher", sagte Sozialstadtrat Carsten Engelmann (CDU) im Sozialausschuss. "Ich warte jeden Tag darauf, dass eine Nachricht kommt, damit wir die Informationsveranstaltung planen können."

Mehrfach hatte der Bezirk gebeten, solche Entscheidungen frühzeitig anzusagen. Doch der starke Handlungsdruck beim Lageso führte zuletzt dazu, dass zum Beispiel die Turnhalle der TU Berlin in der Waldschulallee sehr plötzlich beschlagnahmt war. Hier leben derzeit 150 Flüchtlinge in einer ungastlichen Umgebung. Ähnlich stellt sich die Lage in der ebenfalls beschlagnahmten Gretel-Bergmann-Halle in Wilmersdorf dar. Ginge es nach Engelmann und den BVV-Politikern, müsste das Lageso schnellstens humanere Alternativen finden. Doch Abhilfe bringt wohl erst der Bau von Containerdörfern in anderen Bezirken. Bemerkenswert findet Engelmann auch den Vorschlag aus Friedrichshain-Kreuzberg: Ferienwohnungen in Anspruch nehmen. Alle Heime der City West haben ihre Kapazität erschöpft - und der Zusatzbedarf in ganz Berlin steht schon fest: 7000 weitere Plätze.


Thomas Schubert / tsc
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