Frauen etwas Gutes tun: Berliner Friseure schneiden Flüchtlingen kostenlos die Haare

Elf Friseurinnen und Friseure verpassten rund 150 Flüchtlingen am Weltfrauentag unentgeltlich einen neuen Haarschnitt. (Foto: Nittel)

Charlottenburg. Flüchtlinge benötigen zunächst einmal Essen, Trinken, ordentliche Kleidung, eine vernünftige Gesundheitsversorgung, Zuspruch und eine Unterkunft - ganz klar. Aber über andere Bedürfnisse wird nur sehr wenig gesprochen. Das haben elf Friseure nun geändert und rund 150 Flüchtlingsfrauen und ein paar Männern einen kostenlosen Haarschnitt verpasst.

"Welche Frau freut sich nicht darüber, wenn sie die Haare schön gemacht bekommt?", stellte eine junge Frau aus Syrien die einzig relevante rhetorische Frage. Die Idee zu dieser Aktion hatten ein paar türkischstämmige Friseure und der Politiker Hakan Tas (Die Linke), Mitglied des Abgeordnetenhauses. "Flüchtlinge verfügen über einen geringen monatlichen Satz, mit dem sie auskommen müssen. Dieses Geld geben sie natürlich nicht für den Friseur aus. Und so entstand die Idee, damit diese Frauen auch mal etwas ganz Individuelles für sich haben, den Alltag mit all seinen Problemen für ein paar Minuten einfach mal hinter sich lassen können."

Im Vorfeld waren über 200 Coupons für einen kostenlosen Haarschnitt in vier Einrichtungen für Flüchtlinge in Charlottenburg und einer Unterkunft in Reinickendorf verteilt wurden. Für die meisten dieser Menschen, die überwiegend aus Syrien, dem Kosovo und Pakistan stammen, waren zudem Privatwagen oder Taxis organisiert und bezahlt worden. Und so hatte sich vor dem Friseursalon "Vanity" in der Meinekestraße am 8. März zwischenzeitlich eine lange Schlange gebildet, da einige Frauen, aber auch ein paar Männer ohne Coupon vorbeigekommen waren. "Wir schicken heute niemanden nach Hause", hieß die klare Ansage von Ertugrul Sari, Mitinitiator und Friseur. "Jeder Flüchtling bekommt seinen Haarschnitt." Und so fiel an diesem Tag reichlich Haar den Scheren zum Opfer. "Diese Initiative wird so gut angenommen, dass wir diesen Service für Flüchtlinge auch in Zukunft wieder anbieten werden", versprach Tas.

Übrigens war es weder für diese Aktion noch für geplante künftige Aktionen schwierig, Friseure zu finden. "Die Bereitschaft unter ihnen war und ist riesengroß", freute sich Tas. Im Übrigen waren sich alle Anwesenden einig darüber, dass das Engagement der Zivilgesellschaft für Flüchtlinge insbesondere in den vergangenen Wochen ganz großartig war und ist. Das Schlusswort soll aber der jungen Frau aus Syrien gehören: "Dieser Tag ist sehr schön. Denn Flüchtlinge sind auch ganz normale Menschen mit ganz normalen Bedürfnissen."


Michael Nittel / min
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