Ohne engagierte Bürger gibt's keine saubere Stadt

Aus dem Luxushotel ins Blumenbeet: Zoé und Julian vom Waldorf Astoria scheuen sich nicht vor schmutziger Arbeit. (Foto: Schubert)
 
Jäten statt jammern: Marcel und Marc von den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen widmen sich verwilderten Rosenbüschen. (Foto: Schubert)

Charlottenburg. Jätende Hoteliers, gewissenhafte Hobbygärtner und ein sprudelnder Schieferbrunnen. Am Olof-Palme-Platz vor dem Zoo-Aquarium führte die Aktion für eine saubere Stadt zum Erfolg. Wenn nur genügend Hände mit anpacken, das ist die Botschaft, dann fällt die Arbeit leichter.

Nur ein halbes Jahr ist seit dem letzten Aktionstag vergangen, und dann das: Müll in den Sträuchern, verwilderte Rabatten, verdorrtes Gestrüpp. Der Olof-Palme Platz - ein Pflegefall. Aber Abhilfe schaffen? Das sollen bitteschön die anderen. So mögen nicht wenige Anwohner und Passanten vor dem Zoo-Aquarium denken.

"Echt schade, dass man so oft verdreckte Anlagen sieht", sagt sich auch der junge Marcel. Und packt statt weiter zu jammern selber mit an. Gemeinsam mit Dutzenden Mitstreitern bildet er einen Gärtnertrupp der Werkstätten für Menschen mit Behinderungen Berlin, schneidet alte Rosenbüsche, setzt neue. Zupft und pflanzt. Keiner der Gärtner scheut vor müffelnden Müllbeuteln und schmutzigen Handschuhen zurück.

Und sie sind nicht die einzigen, welche die Initiative "Wir Berlin" an diesem Tag hier versammelt hat. Die Vorsitzende Beate Ernst sieht sogar Mitarbeiter teurer Hotels über dem Unkraut knien. Und sie weiß: Der bürgerschaftlich organisierte Putz im öffentlichen Raum ist eine Frage der Kommunikation. Nicht nur über Medien, sondern auch von Mund zu Mund. "Es muss ein einfacher Anruf und eine Frage genügen: Seid ihr dabei?"

Zoé von der Leeuw vom Waldorf Astoria musste sich nicht lange bitten lassen. Und Kollege Julian Trumph sieht es mehr als einen Akt der Gesundheitsvorsorge denn als Pflicht: "Endlich mal an der frischen Luft."

Wer es ihnen gleichtun will, muss nicht einmal die Ausrüstung selbst besorgen. Denn die BSR stellt alles zur Verfügung, was der freiwillige Grünflächenpfleger braucht: Greifer, Säcke, Handschuhe, Besen, Beutel. Auf diese Weise, so BSR-Sprecher Sebastian Harnisch, könne sich das Landesunternehmen auch an der Reinhaltung von Bereichen einsetzen, für die es eigentlich nicht zuständig ist.

Damit der Olof-Palme-Platz und all die anderen vernachlässigten Erholungsorte Berlins in Schuss bleiben, braucht es natürlich möglichst viele helfende Hände. Neben den Teams der Behindertenwerkstatt und des Hotels Waldorf Astoria zieht die Aktion am Olof-Palme-Platz weite Kreise: von der Berliner Volksbank über das Bezirksamt Mitte, die BSR, Senatorin Dilek Kolat (SPD), die Hotels Intercontinental und Palace Berlin, die Stechlinsee-Grundschule, den Zoologischen Garten, die Lenné-Akademie und die Steinmetzfirma Gebauer bis hin zum Bildhauer Volker Bartsch.

1987 verhalf er dem markanten Brunnen des Platzes zu seiner Gestalt, geformt aus 256 Schieferplatten. "Sie waren zuletzt schon sichtlich angegriffen", bedauert Bartsch. "Schließlich haben darauf nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene herumgeturnt." Das Ergebnis: abgebrochene Platten, die offenbar als Souvenir herhielten. Ersatz zu beschaffen war kein leichter Akt, stammen die urzeitlichen Platten doch aus einem Bergbau in 600 Metern Tiefe. Nach langer Suche fand sich dann doch Ersatz, der hoffentlich da stecken bleibt, wo Bartsch es möchte. Wer sich über dem Olof-Palme-Platz informieren will, kann übrigens zum Handy greifen. Der QR-Code in einer neu aufgestellten Granitstele führt den Besucher auf entsprechende Seiten im Internet.

Die Unterstützung der BSR in Form von Greifer, Säcken, Handschuhen und Besen kann man anfordern unter www.kehrenbuerger.de.

Thomas Schubert / tsc
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