Pfandkisten an die Pfosten: Bezirk spielt Vorreiter

So sammelt man heute: Für Pfandjäger scheint der neue Korb wie maßgeschneidert. (Foto: Schubert)

Charlottenburg. Durchsichtig, sauber, fast auf Augenhöhe: Wer sich durch Flaschensammeln ein Zubrot verdient, findet am Hardenbergplatz ab sofort eine Gerätschaft, die das "Ernten" erleichtert. Aber bis die ideale Box entstand, ging so mancher Prototyp zu Bruch.

Es dauert gerade einmal fünf Minuten, da ist die Kiste leer. Ein Herr, der sich als Thorsten vorstellt, fischt die Pullen aus dem Fach, überführt sie in seine Tüte, sagt der versammelten Menge, die hier zur Einweihung erschienen ist, ein ehrliches Danke. Thorsten hat sich beim Flaschensammeln schon blutige Hände geholt. Denn auch mit einer Taschenlampe lässt sich nicht ergründen, was in den Untiefen eines Abfalleimers Scharfkantiges lauert. "Eine coole Sache" - das ist die neue Pfandbox vor dem Zooeingang in seinen Augen. "Da sieht man, wo man hineingreift."

Eben dieser Gedanke, Sammler mit einer transparenten Kisten vor Verletzungen zu bewahren, war laut Sozialstadtrat Carsten Engelmann (CDU) entscheidend dafür, dass die Umsetzung des neuen Projekts bei Vertretern alle Fraktionen Anklang fand. "Hoffentlich wird es zukunftsweisend", sagt Engelmann mit Blick auf andere Bezirke, die bereits neugierig nach Charlottenburg-Wilmersdorf schielen.

In Friedrichshain-Kreuzberg, wo Sammelkästen schon 2012 auf privater Initiative an den Pfosten hingen, sind die Boxen inzwischen wieder verschwunden. Offenbar der Nachteile wegen.

Und die lernte man auch während einer ersten Erprobungsphase im Lietzenseepark und dem Volkspark Wilmersdorf kennen: Waren die Boxen zu instabil, gingen sie bald zu Bruch. Hängte man handelsübliche Pfandkisten auf, waren sie bald samt Inhalt gemaust. Und so erlebte die Sammler-Pfandkiste auch dank des Einsatzes der BSR und der gemeinnützigen Gesellschaft Trias als Projektpartner eine Evolution im Schnelldurchlauf. Nun also hängt das vorläufige Endprodukt: gefertigt aus gelochtem Metall, nachgiebig gegen Schläge, die Kanten mit Gummiüberzug entschärft. Auf drei schrägen Etagen ist Platz für etwa 15 Flaschen.

Sollten sich die vier Sammelboxen am Hardenbergplatz bewähren, steht einer Ausweitung des Projekts wohl nichts im Wege. Dass die Umsetzung mit System geschieht, dafür sorgt eine wissenschaftliche Begleitung. Und die empfing laut Trias-Geschäftsführer Silvio Schelinski während der Erprobung in den Parks erfreuliche Signale. "Im Umfeld der Boxen ging die Zahl der Flaschen nachweislich zurück", stellt er heraus.

Und allen, die dennoch am Nutzen zweifeln, denen empfiehlt Schelinski Empathie: "Versetzen Sie sich doch mal in die Lage der Flaschensammler, bevor Sie sagen, dass es Unsinn ist."


Thomas Schubert / tsc
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