Grüne wollen Eltern das Chauffieren zur Schule verleiden

Vor den Schule viel Blech: Der Weg ins Klassenzimmer ist von parkenden Karossen gesäumt. (Foto: Thomas Schubert)

Charlottenburg-Wilmersdorf. Kurz vor Schulbeginn: Eltern-Taxis im Stau. Dass Schüler morgens massenhaft im Auto vorfahren, sieht die Grünen-BVV-Fraktion als Problem an. Ist es an der Zeit zum Umerziehen von Vater und Mutter?

Der Schulweg – eine Welt, die Kinder durch Seitenscheiben sehen. Auf der Rückbank von Familienkutschen überbrücken sie selbst kurze Wege zwischen Wohnungstür und Schulhof, obwohl das lange dauern kann. Wegen der Staus.

Längst hat der Bringservice vor Charlottenburg-Wilmersdorfs Schulen ein Ausmaß erreicht, dass man über Gegenmaßnahmen nachdenken könnte. Und tatsächlich hat sich nun die BVV-Fraktion der Grünen aus der Deckung getraut. Ihr Wunsch: Das Bezirksamt möge sich mit einem Pilotprojekt an ausgewählten Schulen daran machen, die nötige Verkehrserziehung einzuführen. Vor allem bei den Eltern.

Diese Einmischung jedoch hält SPD-Stadtrat Marc Schulte für problematisch. Eine Initiative zur Aufklärung sei nur dann erfolgversprechend, wenn der Impuls von Schulen ausgehe – „nur so macht eine Kampagne Sinn.“

Sinnhaftigkeit sieht Grünen-Fraktionsvorsitzende Petra Vandrey aber durchaus als gegeben an: „Das Eltern-Taxi ist ein großer Unsicherheitsfaktor“, verweist sie auf erhöhte Unfallzahlen vor Schulbeginn und am späten Mittag. Wenn Kinder hingegen in großer Zahl zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule kämen, ließen sich die Gefahrenmomente durch Staus und Hektik am Lenkrad senken. Zugleich wäre dem Bewegungsmangel vorgebeugt und die Konzentration nach einem Spaziergang am Morgen verbessert.

Ist das Elterntaxi also Ausdruck einer ungesunden Bequemlichkeit? Oder sogar ein Zeichen von Überbehütung? Aus Sicht der CDU handelt es sich jedenfalls um ein Phänomen, das man durch Umerziehungsversuche nicht auflösen kann. Im Namen seiner Fraktion verweist Albrecht Förschler auf die bereits fehlgeschlagenen „Experimente“ einzelner Schulen.

Wenn man schon die Zahl der Eltern-Taxis senken will, dann durch ein dauerhaftes Vorhaben, nicht durch einen einzelnen Schnellschuss, meint Pirat Holger Pabst. „Denn die Kinder der Eltern, die geübt haben, gehen irgendwann. Und neue Erstklässler kommen.“ tsc
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1 Kommentar
Ralf Drescher aus Köpenick | 13.03.2016 | 18:01  
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