Grünphasen an Ampeln sind für Fußgänger häufig sehr kurz

Berlin. Wer eine mehrspurige Straße in Berlin zu Fuß überqueren will, schafft das meist nicht innerhalb einer Grünphase. Die Ampeln sind oft zu kurz geschaltet. Das erhöht die Unfallgefahr. Der Fachverband Fußverkehr fordert deshalb Nachbesserungen.

Wie lange eine Fußgängerampel auf Grün stehen muss, ist genau festgelegt. Für 1,2 Meter Fußweg gibt es in Berlin eine Sekunde Grün. Berücksichtigt ist bei dieser Regelung allerdings keine Reaktionszeit, sodass Fußgänger direkt losgehen müssen, wenn die Ampel umschaltet. Zunehmend problematisch wird das, weil die Bevölkerung altert. Zudem gibt es an mehrspurigen Straßen mit Mittelinseln immer wieder gefährliche Situationen, weil Ampeln so getaktet sind, dass sie nicht für beide Fahrtrichtungen gleichzeitig grünes Licht geben.

"Wir fordern, dass dieses sogenannte Rüberziehen abgeschafft wird", sagt Bernd Herzog-Schlagk vom Fachverband Fußverkehr. Er regt zudem an: Fußgänger sollten nur noch einen Meter pro Sekunde zurücklegen müssen. "Ampeln sind eigentlich für die Sicherheit der Fußgänger da", sagt er. Doch vor allem an vierspurigen Straßen entstehen zusätzliche Gefahren. Damit Berlin fußgängerfreundlicher wird, arbeitet der Senat derzeit an der Fußverkehrsstrategie. Bis 2016 laufen Modellprojekte.

Die Interessen aller Verkehrsteilnehmer an einer Kreuzung unter einen Hut zu bringen, ist allerdings nicht so einfach. "Und natürlich möchte man auch nicht den Autoverkehr zu sehr beschränken, damit handelt man sich nämlich Staus und weitere Umweltbelastungen ein", erklärt Peter Wagner, Verkehrsforscher am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Um den Verkehrsfluss nicht zu behindern, könne man an einer Ampel 60 bis 90 Sekunden Zeit verteilen. So lange dauert es, bis eine Ampelanlage alle Richtungen "abgearbeitet" hat.


Jana Tashina Wörrle / jtw
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