Wie wird das Mietfahrrad attraktiver? Verleihsystem erscheint Bezirkspolitikern wenig reizvoll

Stillstand der Silberlinge: Im Vergleich zu anderen Metropolen sieht man Leihräder in Berlin zu oft parken, meinen Kritiker. (Foto: Schubert)

Charlottenburg-Wilmersdorf. Festgehalten von grauen Klötzen harren sie oft vergeblich auf Pedalritter: Mieträder von "Call a Bike" sieht man zu häufig im Parkmodus, zu selten in Fahrt, meint Grünen-Verkehrsexperte Roland Prejawa. Und fragt: Warum ist das System so starr?

Wer in letzter Zeit Städte bereist hat, mit denen sich Berlin gerne messen möchte, dem wird es nicht entgangen sein: Leihräder tragen in Paris ganze Rudel von elegant gekleideten Businessfrauen zu ihren Terminen. Und in New York eilen immer mehr Touristen den "Yellow Cabs" auf Drahteseln davon, die an jeder Ecke wieder abzuschließen sind. Und zwar an schicken Spindeln aus Edelstahl.

Aber in Berlin, da stecken sie in grauen Klötzen. Das scheint den Vorwärtsdrang schon optisch zu hemmen und ärgert nun auch die örtliche Politik. Bis Ende 2015, erklärte Stadtrat Marc Schulte (SPD) nun auf Nachfrage von Grünen-Politiker Roland Prejawa, habe die Deutsche Bahn als Betreiberin ihr Pilotprojekt "Call a Bike" in den Innenstadtbezirken ausgedehnt. Finden könne man die Bikesharing-Stationen an besonders verkehrsreichen Punkten auch in der City West. "Aufgrund der Hässlichkeit der Halteklötze könnten wir uns Versuche mit anderen Projektpartnern vorstellen", sagte Schulte. Aber da es auch um Verlässlichkeit gehe, sei die Bahn derzeit wohl unbestritten der richtige Betreiber, auserkoren von der Stadtentwicklungsverwaltung des Senats.

Man habe auch schon mit einem flexiblen System ohne feste Stationen experimentiert, sei hiermit aber auf Probleme gestoßen. Oft waren alle Räder an einem wichtigen Ort entliehen und wurden auch nicht mehr zurückgebracht, so dass ein Transportdienst die Umsetzung organisieren musste. Und vermeintlich clevere Radler versteckten die Räder über Nacht im eigenen Hof, um sie morgens sicher zu haben. "So wurde das flexible System ad absurdum geführt", erklärt Schulte. Darum die fixe Variante.

"Call a Bike" selbst sieht sich entgegen der Kritik weiter auf einem guten Weg und erhöhte die Zahl der Stationen in ganz Berlin Anfang 2015 von 153 auf 160. Im Vorjahr wurden die Flotte von 1650 Rädern für 339.000 Fahrten genutzt - mit einer deutlichen Steigerung gegenüber 2011, als man 75.000 Touren registrierte. Insofern lassen sich also die Sorgen der Politiker mit Zahlen kaum belegen.

Letztlich bleibt es die Entscheidung des Verkehrsteilnehmers, wie er in der City West vorankommen möchte. Bei "Call a Bike" zahlt man als Normalkunde 8 Cent pro Minute und maximal 15 Euro für 24 Stunden.


Thomas Schubert / tsc
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