CDU will den Bezirk für produzierendes Gewerbe attraktiv halten

Charlottenburg-Wilmersdorf. Es gab Zeiten, da war "made in City West" ein Garant für Arbeit. Reemtsma produzierte Tabakprodukte und Schering Arzneien. Diese Art von Wirtschaft müsse wieder heimisch werden, meint die CDU. Wie realistisch ist dieser Wunsch?

Die Arbeit ist nicht mehr das, was sie einmal war. Man wirtschaftet jetzt am Computer, erfüllt Aufträge an der Theke. Aber so ganz ohne Werkbänke auskommen? Das sollte nicht das Modell für die Zukunft sein, befindet Christdemokrat Stefan Häntsch: "Als Industriestandort haben wir Potenzial." Und so wollte die CDU-Fraktion nun durch eine große Anfrage erkunden, was der Bürgermeister zur Ansiedlung des einst so starken produzierenden Gewerbes unternimmt.

Mit nur zwei Mitarbeitern hält Reinhard Naumann (SPD) die Möglichkeiten der bezirklichen Wirtschaftsförderung für beschränkt. In der Verantwortung sei eher Berlin Partner als eine 235 Mitarbeiter starke Institution des Landes Berlin.

Auch wenn der Anteil von Industrieunternehmen überschaubar bleibt, sind entwicklungsfähige Flächen wie zum Beispiel am früheren Reemtsma-Werk in Schmargendorf durchaus vorhanden. Derzeit sieht Naumann den Bezirk im Dienstleistungsbereich umso stärker aufgestellt. Mit 26 000 Unternehmen sei die City West in Berlin klar führend. Besonders präsent in seinem Bezirk sind die Informations- und Kommunikationswirtschaft sowie das Gesundheitswesen und der Einzelhandel auf etlichen Geschäftsstraßen. Im produzierenden Gewerbe hervorzuheben seien die Königliche Porzellan-Manufaktur und die Bildgießerei Noack.

Als Konkurrenten in Fragen der Neuansiedlung betrachtet Naumann anders als die CDU nicht etwa Nachbarbezirke. Bestehen müsse man gegen florierende Standorte wie Baden-Württemberg. Die Bezugsgröße seien Regionen, nicht Bezirke. Auch Roland Prejawa (Grüne) empfindet die City West mit ihrer Dienstleistungsszene und kleinerem Gewerbe als zukunftssicher: "Wir sind nicht mehr der Ort, der wir vor 150 Jahren waren." Und Holger Pabst (Piraten) betont, dass moderne Industrie mit Fabriken nichts mehr zu tun hat. In Barcelona kämen künstliche Hüftgelenke nicht mehr vom Fließband - sondern aus dem Drucker.


Thomas Schubert / tsc
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