Erlebnisraum "Gemeinsam digital" eröffnet

Digitalisierung bei der Firma Zemmler: Das Dashboard erleichtert Ronny die Warenannahme und -kontrolle. (Foto: Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum)
 
Tobias Thimm, Sarah Schalk und Marc Dönges (v. li.) sind drei von etwa zwei Dutzend Mitarbeitern, die den Erlebnisraum Gemeinsam digital mit Informationen füllen. (Foto: Matthias Vogel)
Berlin: Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Erlebnisraum |

Ein Konsortium von Institutionen hat sich längst aufgemacht, um mittelständische Unternehmen bei der Digitalisierung zu unterstützen – das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Berlin. Jetzt hat es in der Eröffnung des Erlebnisraums "Gemeinsam digital" sein Angebot um eine Komponente erweitert.

Schneller, effizienter, kostengünstiger – auch für mittelständische Unternehmen ist der optimierte Transfer von Bits und Bytes unabdingbar, um konkurrenzfähig zu bleiben. Das ist noch nicht allen Firmenchefs bewusst. "Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist gut, die Auftragsbücher sind voll und das ist der größte Feind. Da hat niemand Muße zur Optimierung der Prozesse, aber das ist essenziell. Große Unternehmen können das allein, aber kleine brauchen Unterstützung. Und wenn das heute nicht passiert, ist man morgen nicht mehr konkurrenzfähig", sagt Sarah Schalk von der Technischen Hochschule Brandenburg, die zusammen mit dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), dem Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft, der Universität Potsdam und dem Hasso-Plattner-Institut angetreten ist, mit Digitalisierungsprojekten, Workshops, Trainings und eben dem Erlebnisraum für klaren Blick zu sorgen.

Fast ist es schon ein Segen, wenn jetzt der Wurm im Workflow steckt und gesucht werden muss. So wie bei der Firma Zemmler in der Lausitz, die riesige Siebanlagen herstellt. Weil in regelmäßigen Abständen die Schweißer in Ermangelung eines bestimmten Teils nicht weiter arbeiten konnten und die hausinterne Fehlersuche erfolglos blieb, wandte sich das Unternehmen an das Kompetenzzentrum. Die machte ein Digitalisierungsprojekt daraus, rückte an und nahm die Arbeitsprozesse genauer unter die Lupe. "Wir haben geguckt, woran das mit dem fehlenden Teil liegt und festgestellt, dass die Dokumentation des Wareneingangs noch auf Papier war. Vor Ronny standen 25 Ordner mit Bildern der Werkstücke. Er hat zwar Lieferscheine und gelieferte Ware abgeglichen, aber jedes Teil über die Bilder zu kontrollieren, war zeitlich unmöglich", sagt Schalk. Und so sei Ronny dann auch noch mit seinem Zettel zehn Minuten durch die großen Hallen ins Büro gelaufen, wo seine Daten dann noch einmal in den Computer eingegeben wurden. Ein Terminal musste her, auf dem Ronny mit einem Klick Soll und Ist vergleichen kann, mit Bild. "Ronny ist übrigens 50 Jahre alt, ein Hüne mit großen Händen, der kein Smartphone besitzt", sagt Schalk und Marc Dönges, Junior Referent des BVMW ergänzt: "Man muss die Lösungen auch auf die Personen zuschneiden, die dort stehen, wo etwas verändert werden soll." Herausgekommen ist ein leicht zu bedienendes, robustes Dashboard, dessen Software auch auf den PCs im Büro aufgespielt ist.

Genau dieses Fallbeispiel hat das Konsortium im Erlebnisraum unter dem Dach des Smart Data Forums am Salzufer 6 zu einem "Demonstrator" gemacht. Wer möchte, kann hier einen Film über das Projekt bei Zemmler ansehen, mit Ronny in der Hauptrolle. Dazu können Unternehmer und Interessierte im Spiel "Papier vs. digital" am eigenen Leib erfahren, wie gut die Warenannahme und -kontrolle mit dem Dashboard funktioniert. Derart große Digitalisierungsprojekte – von der Analyse bis zur Entwicklung eines Prototyps – macht das Kompetenzzentrum für die gleiche Problematik nur einmal. "Siebanlagen-Hersteller gibt es wenige, Wareneingang aber sehr oft", sagt Schalk.

Noch ein Best-Practice-Beispiel, ein mobiles und wetterfestes Kassensytem für ein Outdoor-Event-Unternehmen, ist an einem Stand simuliert, zwei weitere sollen folgen. Die interaktiven Anwendungsbeispiele decken die Themen digitales Marketing, Personal, digitale Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsprozesse ab. Brigitte Zypries, am Tag der Eröffnung noch Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, war begeistert: “Mit dem Erlebnisraum des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Berlin in den Räumen des Smart Data Forums entsteht eine gemeinsame Repräsentanz wichtiger Initiativen des Bundeswirtschaftsministeriums. Damit bündeln wir nicht nur Ressourcen, sondern bieten Unternehmern aus dem Mittelstand einen zentralen Anlaufpunkt für digitale Lösungen – praxisnah, nutzerzentriert und verständlich erklärt.”

Mit den Beispielen aus der unternehmerischen Praxis werden auch Schwellenängste abgebaut. „Wir stellen unsere digitalen Lösungen aus den Praxisprojekten immer aus der Perspektive der Unternehmen dar. Das schafft eine hohe Akzeptanz bei der Zielgruppe und motiviert kleine und mittlere Unternehmen sich mit der Digitalisierung zu befassen", sagte Alexandra Horn, Leiterin des Kompetenzzentrums.

Gerade lässt die Gastro-Gesellschaft Maître Philippe & Filles aus Wilmersdorf ihren digitalen Workflow von den Experten des Kompetenzzentrums auf Herz und Nieren prüfen. "Dort sind zum Beispiel der Laden und der Online-Shop über viele nicht ausreichend automatisierte Schnittstellen miteinander verknüpft. Dazu arbeiten die Geschäftsbereiche mit unterschiedlichen Programmen und Systemen, die nicht reibungslos ineinandergreifen", verrät BVMW-Referent Tobias Thimm.

[div class="docTextServiceText"]Die nächste Veranstaltung des Kompetenzzentrums "Regional digital – Smarte Lösungen, starker Mittelstand" findet am Mittwoch, 18. April, um 17.30 Uhr im Ellington Hotel Berlin, Nürnberger Straße 50, statt. Die mobilen "Demonstratoren" werden auch aufgebaut. Alle Informationen und Kontakt zum Kompetenzzentrum gibt es auf gemeinsam-digital.de. [/div]
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