"Formelbike" feiert 25-jähriges Bestehen

Charlottenburg. Ein Drahtesel, der tadellos fährt und dabei so unscheinbar wirkt, dass jeder Dieb die Zange stecken lässt. Dies ist die Idealvorstellung der Kunden bei "Formelbike". Hier setzt man seit jeher lieber auf ehrliches Handwerk als auf Trends.

Keine chromblinkenden Cruiser, keine hochgerüsteten Mountainbikes, keine minimalistischen Rennmaschinen. Dafür viel von der Sorte Velo, die noch immer die meisten strampelnden Berliner bewegt: ein einfaches Alltagsrad. "Formelbike" ist ein Shop für Kunden, die vorankommen wollen, ohne regelmäßige Diebstahlsanzeigen. "Ich brauche ein Rad, dass ich vor dem S-Bahnhof anschließen kann", so beschreibt André Rogalski den meistgehörten Wunsch. Und dem kann er dank ständigem Nachschub und eigener Reparaturkünste entsprechen. Gemeinsam mit dem Geschäftsgründer Ingo Grützmacher erlebte Rogalski hier in der Sybelstraße 54 in zweieinhalb Jahrzehnten manche Höhen und Tiefen - vom Auftrag für Nena und ihre Band bis zur Geschäftsprüfung.

Seit 1992 hält André Rogalski bei "Formelbike" den Schraubenschlüssel in der Hand, macht so ziemlich alles wieder flott, was man ihm verkauft. "Mein erstes Jahr im Laden war das beste", erinnert er sich. "Die BVG hatte gestreikt und die Fahrräder stapelten sich hier zu Reparatur. Wir wussten gar nicht, wo wir anfangen sollen."

Freilich gab es auch schwere Zeiten. Aber das Konzept, mit dem der Zweimannbetrieb manch größeren Konkurrenten überlebte, blieb. Reparatur gelingen meist über Nacht. Instandsetzen von Bereifung, Licht, Bremse, Nachfetten - für Rogalski Routine.

Inzwischen steht er meist alleine im Charlottenburger Laden, während sich der Chef in der Weddinger Müllerstraße um zwei neue Nebenstellen kümmert. Grützmacher gelangte 1987 übrigens zufällig in die Branche: "Da hat mich jemand an einer Tankstelle darauf angesprochen, was ich für ein tolles Fahrrad gebastelt hatte." Kurz darauf schraubte er in dessen Laden, bis das gemeinsame Unterfangen zu Bruch ging. So musste der eigene Shop her - und ward bald gefunden.

In der Sybelstraße erlebte Grützmacher dann besonders schwere Stunden, kam in wirtschaftliche Turbulenzen. "Um niemandem zur Last zu fallen und um meine Steuerrückstände zu bezahlen, habe ich meinen privaten Besitz verkauft." Dass er einmal 25-jähriges Bestehen feiern könne, habe er nie geglaubt. "Das Highlight in dieser langen Zeit", sagt der Chefschrauber lachend, "das waren wir."


Thomas Schubert / tsc
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