TU Berlin und BASF nehmen "BasCat" in Betrieb

(Foto: Schubert)

Charlottenburg. Tanz der Moleküle: Im neuen Labor der TU versuchen 60 Spezialisten, chemische Verfahren, die über 70 Jahre lang Gültigkeit hatten, von Grund auf neu zu denken. Es geht darum, wie sich die Wirtschaft aus der Abhängigkeit vom Öl befreit. Und um Spitzenforschung mit vereinten Kräften von Wissenschaft und Industrie.

Rumpelstilzchen spann Stroh zu Gold, mittelalterliche Alchemisten brüteten über eine Veredelung der Elemente durch schwarze Magie. Was Forscher im neuen "BasCat"-Labor der TU wagen, ist von solcher Märchenlogik und Mystik zwar weit entfernt, aber hier finden sich vergleichbare Fragen: Wie verwandeln wir ein leicht verfügbares Element in ein seltenes, ungleich wertvolleres? Wie ersetzen wir in Zukunft das Öl? Hinter der neuen Spitzenforschungsstätte steckt die Frage nach dem Rohstoff, der über das Schicksal von Industrie und Wirtschaft entscheiden wird.

"Mauern einreißen" - so beschreibt Professor Matthias Drieß, Sprecher des Exzelenzclusters "UniCat", die Grundlagenarbeit ohne Denkverbote. Beteiligt sind Vertreter verschiedener Disziplinen, die erst einen Weg finden wollen, das Verfahren der heterogenen Katalyse neu zu erfinden. Und ihre Ergebnisse dann in eine Welt jenseits des Labors zu tragen, wo andere Anforderungen gelte als im Reich der Schutzbrillen und weißen Kittel. "Wir schaffen hier eine Basis für spätere Produkte", betont TU-Direktor Professor Christian Thomsen die Wichtigkeit einer Schnittstelle von Forschung und Industrie. Er weiß sich eng an der Seite von Dr. Peter Schumacher, dem Verantwortlichen für die Forschungsarbeit des Konzerns BASF. Entsprechend dieser Partnerschaft von Universität und Unternehmen sind nicht nur die Interessen gleichmäßig verteilt, sondern auch die finanziellen Lasten. Insgesamt 13 Millionen Euro gilt es, für den Betrieb des neuen Labors in den ersten fünf Jahren zu stemmen - jeder Partner zahlt etwa die Hälfte.

Geforscht wird nicht in Technologieparks am Stadtrand, wie "BasCat"-Leiter Dr. Frank Rosowski feststellt, sondern ganz bewusst im Herzen des Campus Charlottenburg, wo früher auf einem Brachstreifen Unkraut wuchs.

Ein kurzer Blick ins Innere von "BasCat" genügt, um zu sagen: Schwarze Magie ist hier nicht am Werk. Die Wunder der Neuzeit geschehen nicht in Hexenküchen, sondern beruhen auf systematischer Arbeit im Labor.


Thomas Schubert / tsc
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